Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Imre Kelemen, Berührungspunkte zwischen Moral und Politik bei Machiavelli

65 Erlösung trotzdem nicht auf andere verlassen wollte, sondern selbst nach der Seligkeit strebte. Das Menschenideal der Renaissance unterscheidet sich grundsätzlich von dem christlichen. Neben der ständischen Unterordnung und der Gleichheit vor Gott erwachte im Keime ein gewisses Nationalbewusstsein oder besser gesagt ein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl, das der christlichen Universalität fundamental gegenüberstand und das Problem der neuen Unterordnung des Menschen aufwarf. Andererseits aber erforderte die Epoche einen Menschen, der zum selbständigen Denken und Handeln fällig war. Nicht zufällig wendete man sich der griechischen und römischen Tradition zu, nicht zufällig suchte man dort nach Vorbildern. Das Menschenideal der Antike Hess sich aber nicht in vollem Masse auf die Erfordernisse der Renaissance anwenden, und darüber hinaus konnte die tief wurzelnde christliche Tradition auch nicht abgeschafft werden. Deshalb versuchte man, über das Christentum hinausgehend, auf die Antike zurückzugreifen und aus dem Christentum zu übernehmen, was praktikabel war. Es stellte sich allerdings heraus, dass das antike Menschenideal in seiner Gänze nicht übernommen werden konnte. Das Menschenideal der zwei Epochen unterschied sich sehr krass. Es war aber keinesfalls ein Zufall, dass man sich der Antike zuwendete. Ein sehr wesentlicher verwandter Charakterzug konnte nämlich ausgemacht werden; der zum selbständigen Denken und Handeln fähige Menschentyp. Machiavelli betrachtete die griechischen und römischen Staatsmänner und Heerführer als die unmittelbaren Vorgänger der Bürger Italiens. Und hier liegt der grundlegende Unterschied zwischen dem Menschenideal der Antike und der Renaissance. Die Renaissance übernimmt nicht das antike Menschenideal, sondern sie stellt ihre hervorragenden Persönlichkeiten als Ideal dar. Das ermöglicht natürlich nicht die Herausbildung eines einheitlichen Menschenideals. Es gibt eigentlich nur konkrete Menschenbilder, zu deren Legitimation der geschichtliche Rückgriff notwendig ist. Dieser vorbildliche Menschentyp soll über solche Fähigkeiten verfügen, die ihn zur Erfüllung bestimmter Auf gaben befähigen. Die stark reglementierte Lebensweise des Christentums war so lange gültig, bis sich die Menschen ihrer eigenen Werte bewusst wurden, und bis sie die universelle und ewige Gültigkeit der Tradition in Frage stellten. Für die sich entfaltende bürgerliche Lebensweise waren eine Menge Dinge einfach zur Lebensnotwendigkeit geworden, Dinge, die von der christlichen Tradition verurteilt worden waren oder die für sich auch nicht existiert hatten und mit denen sie deshalb nichts anfangen konnte. Die Anforderungen des fortschrittlichen Weltbildes der Renaissance konnte der

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