Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Imre Kelemen, Berührungspunkte zwischen Moral und Politik bei Machiavelli
61 Zustände. Diese Erklärung erkannte verhüllt an, dass der Staat als Gewaltorganisation gegen das seiner Freiheit berauhte Individuum auftrat und er als durch Gott legitimierte Macht eine gewisse Mittlerfunktion erfüllte, damit das Individuum wieder frei wurde. Dem stand eine sich in der Entwicklung befindliche neue Staatskonzeption gegenüber, die das patriarchalische Verhältnis zwischen Staat und Untertan, das sich auf die Moral zur Legitimierung berief, aufheben wollte. Dieser Konzeption nach sollte der Staat die Rolle des Nachtwächters einnehmen und er sollte für seine Bürger die zum zeitlichen Wohlergehen nötigen Mittel sichern. Die christliche Staatskonzeption baute auf die Stagnation, deshalb befriedigte diese Erklärung das aufstrebende, die neue Lebensweise suchende Bürgertum nicht mehr. Sie wurde als eine Interpretation der Vergangenheit angesehen, keinesfalls aber als tragfähig für die Gegenwart und die Zukunft. Machiavelli spricht wenig über die Herausbildung des Staates; das, was er aber sagt, weicht eventuell nicht von der antiken Konzeption ab. Nach ihm ist die Herausbildung der verschiedenen Staatsformen dem Spiel des Zufalls überlassen, leitendes Interesse zum Zusammenschluss ist stets die Verteidigung des jeweiligen Landes gewesen. Von Wichtigkeit für Machiavelli sind folgende Fragen; I .Was für ein Staatsgebilde soll das vereinigte Italien werden? 2. Auf welche Weise soll es sich organisieren? 3. Was für äussere und innere Funktionen soll es erfüllen? Die Zeit bot mehrere, zumindest zwei, praktikable Alternativen an: entweder eine Monarchie unter der Leitung eines starken Fürsten oder eine Republik mit einer gut organisierten Führung. Machiavelli fasst die ihm bekannte Geschichte und die gegebene politische Lage gründlich ins Auge und kommt zu dem Schluss, dass Italien zu seinem selbständigen Bestehen eine Staatsform benötigt, die stark genug ist, um sich selbst gegen die äusseren wie die inneren Feinde verteidigen zu können. Gleichzeitig soll sie eine wirtschaftliche und kulturelle Aufklärung sichern, die die Grundlage für den Erwerb der europäischen Grossmachtposition sein könnte. Damit der Staat sowohl im Inneren, als auch nach aussen hin wirksam auftreten kann, müssen gewisse Kriterien sichergestellt sein. Am wichtigsten ist es, dass der Staat eine Vereinigung freier Bürger ist, die Knechtschaft kann nämlich nur schädlich sein. Gesetze sind in einer jeden Staatsform unentbehrlich und sie können im Grunde genommen von zweierlei Art sein: einerseits Gesetze, die ursprünglich sinnvoll waren, die aber im Laufe der Zeit iil>erholt worden und daher nicht mehr anwendbar sind, andererseits Gesetze, die die Gleichheit und Freiheit aller Bürger gewährleisten und zugleich das Schlechte verbieten, so dass die Bürger unter diesem Schutz für das freie Leben untauglich werden. Der Staat kann nämlich nur in dem Fall wirksam