Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Imre Kelemen, Berührungspunkte zwischen Moral und Politik bei Machiavelli

60 nicht imstande, gegen die Eindringlinge einen richtigen Widerstand zu leisten. Nicht zuletzt tauchte auch die Drohung des Türkischen Reiches auf. Die äusseren und inneren Probleme der Stadtstaaten waren eng miteinander verbunden. Die Zerrissenheit ermöglichte es ihnen nicht, dass sie gegen die sich auf ihrem Gebiet aufhaltenden feindlichen Kräfte wirksam kämpfen konnten. Die Vereinigung der Kräfte wurde andererseits auch durch die Machtrivalität zwischen den einzelnen Städten erschwert. Diese theoretischen und praktischen Erwägungen konnten vielleicht zeigen, dass der Zusammenschluss der Stadtstaaten gleichzeitig die wirtschaftliche, politische und militärische Vereinigung bedeutete. So konnten sie in Europa als Machtfaktor auftreten. Italien war nämlich in den vorangegangenen zwei Jahrhunderten - trotz seiner Zerrissenheit - Europas führende Wirtschaftsmacht, was für die Städte ein erhebliches politisches Gewicht bedeutete. Italiens Handel, die Produkte der dortigen Manufakturen, wurden in die ganze damalige Welt exportiert, und die italienische Kultur beeinflusste ebenfalls ganz Europa. Diese Machtposition wurde dann um die Wende des 15./16. Jahrhundertes plötzlich hinterfragt. Schon antike Denker beschäftigten sich mit Fragen der Entstehung, der Funktionsweise und des Wirkens des Staates. Diese Fragen waren so eng mit der Praxis verbunden, dass sich nicht einmal Machiavelli der Beantwortung dieser theoretischen Probleme entziehen konnte. Andererseits musste er aber auch berücksichtigen, wie diese Fragen in der Praxis gelöst werden konnten, weil dies zur gleichen Zeit die Legitimation des Staates bedeutete. Es sind zwei Konzeptionen über die Herausbildung des Staates in seinem Werk zu finden und zwar folgende: der Staat kommt entweder durch Vertrag oder ohne Vertrag zustande. Er hat zwei Aufgaben. Die eine besteht in der Verteidigung gegen den äusseren Feind, die andere in der Aufrechterhaltung der Ordnung. Dazu kommen noch weitere Aufgaben, wie u. a. die Rechte und die Pflichten zwischen Vorgesetzten und Untergebenen zu regeln, Gesetze zu verabschieden. Im Mittelalter wurde die Herausbildung des Staates - unter dem Einfluss der christlichen Kirche - so erklärt, dass er von Gott geschaffen wurde und seine Funktion darin bestand, den sündhaf ten Menschen zu verteidigen und die Erlösung vorzubereiten. Er sollte weiterhin den Menschen gegen die Folgen der Erbsünde verteidigen, seine Leidenschaften zügeln, und ihn auf die Erlösung dadurch vorbereiten, dass er Gottes Worte an die Menschen vermittelte und die Sakramente anbot. All dies wäre nicht nötig gewesen, wenn die Menschen ehrlich geblieben wären. Diese Erklärung leitet die Frage der Herausbildung des Staates aus ethischen Kategorien ab und hat mit der geschichtlichen Kontinuität nur insofern etwas zu tun, als sie einen Zustand vor bzw. nach der Sünde voraussetzt. Dies bedeutete schliesslich das Ergeben in die bestehenden

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