Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Vesa Dittinen (Helsinki), "Öko-Faschismus" - eine Fallstudie aus Finnland
44 abgesehen von der Form, wie Linkola die Sache darstellt; deshalb sei es notwendig, die Diskussion fortzuführen. 4. In seinem neuesten, 1989 erschienenen Buch, das, wie gesagt, Bestseller in Finnland war und in den wichtigsten Tageszeitungen durchaus anerkennend rezensiert wurde (6), setzt Linkola seine bisherigen Themen fort und versucht, anhand der Kritik seine Ansichten etwas tiefer zu begründen. Das Provokatorische tritt nun ein bisschen in den Hintergrund, zugunsten der Argumentation; dies macht das Buch sozusagen "salonfähiger". Linkola konstatiert, dass er von zwei wertphilosophischen Grundvoraussetzungen ausgeht: "an der Wahrheit und intellektuellen Ehrlichkeit bis zur Ende festzuhalten; und das Leben, die Biosphäre der Erde und ihr Fortbestehen als höchsten Wert" anzusehen (S. 158). Mit dieser Feststellung sagt Linkola dem traditionellen Humanismus, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt, den Kampf an. Ironisch kommentiert er die Rezeption seiner berühmten Rede in Turku 1985: "Jemand sprach für den Humanismus in den Tönen des 19. Jahrhunderts, die anderen meinten, dass Zärtlichkeit, Liebe, Löwenzahnkränze noch die Meere, die Luft und das Land wieder sauber machen könnten". Die harte, gnadenlos gewordene Wirklichkeit sei aber nicht mehr mit der traditionell humanistischen Phraseologie zu meistern: die Zerstörung der Biosphäre schreitet jeden Tag unaufhaltsam voran. Mein Standpunkt, mein Denken ist nicht anthropozentristisch; er ist durch und durch biologisch, biologistisch (...) Ich stelle die Stellung des Menschen über das übrige Leben ganz in Frage. Ich werde nicht müde, an die Begrenztheit des humanistischen Weltbildes zu erinnern" (S. 161). Die ökologische Krise habe laut Linkola handgreiflich gezeigt, dass man nicht den Menschen für den obersten Wert halten kann. Vielmehr solle man fragen: was im Menschen? Der Mensch sei auch ein Teil der Natur, und ohne die Biosphäre kann auch die von den Humanisten so gepriesene Menschlichkeit nicht fortbestehen. Daraus zieht Linkola den Schluss, dass der zentrale Wert des Lebens, die Vielfalt des Lebens ist (S. 166); diesem obersten Wert gegenüber sind die humanistischen Werte sekundär. Die heutige Lage der Menschheit bestehe lauf Linkola darin, dass der Mensch durch seine Tätigkeit diesen höchsten Wert ständig verletzt. "Der Kern der Tragödie besteht im Zwang des Menschen, sich ähnlich einem Treibholz in den Strom des Fortschritts, der Entwicklung zu stürzen. Das menschliche Tier ist ein willensloses