Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Vesa Dittinen (Helsinki), "Öko-Faschismus" - eine Fallstudie aus Finnland

45 Opfer seiner eigenen Evolution. Dieser 'Fortschritt' hat nichts zu tun mit Vernunft, Intelligenz, Weisheit, Einsicht: im Gegenteil, die unnatürlich schnelle Entwicklung, der Progress, ist während des ganzen Bestehens der Gattung nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Menschen selbst stets schädlich gewesen" (S. 182). So geben alle Fakten das Resultat an die Hand, dass der Mensch, dieser Irrweg der Evolution, entweder zusammen mit der Biosphäre untergehen oder die irrige Entwicklung widerrufen muss. Die letzgenannte Alternative aber setzt voraus, dass "die Situation des Menschen, die Moral und die Ethik, umgewertet werden müssen" (S 194). Eben diese neue Ethik sei die Ethik des Überlebens, die drastische, "antihumanistische" Massnahmen rechtfertigt: "So sicher es ist, dass der Mensch desto zerstörerischer, desto selbstzerstörerischer ist, je freier er ist, ebenso sicher ist es, dass Diziplin, Zwang, Unterdrückung, immer ein lebenserhaltendes Moment in der Welt der Menschen darstellen" (S. 207). Das Resultat der "Umwertung aller Werte", die Linkola durchführt, läuft darauf hinaus, dass "das einzige Kriterium des Guten und Bösen das Fortbestehen des Lebens oder sein Aufhören ist. Dies bedeutet, dass viele gute Sachen unheimlich werden, viele unheimliche wünschenswert" (S. 222). Eine repressive "Öko-Diktatur" hat somit ihre moralische Rechtfertigung erhalten. 5. Das Obige dürfte erhellen, dass es ungenau ist, Linkola als einen "Faschisten" zu charakterisieren. Was Linkola bietet, ist keine demagogische Mischung vulgarisierter lebensphilosophischer Postulate, wie bei den einstigen Ideologen des Faschismus. Vielmehr handelt es sich um einen konsequent durchgeführten biologistischen Reduktionismus, der Vorläufer z. B. im Malthusianismus besitzt. Ein guter Teil des Erfolgs von Linkola lässt sich durch sein unbestreitbares schriftstellerisches Talent erklären. Er schreibt klar, streng, suggestiv - wie ein Prophet: zudem ist er auf den ersten Blick äusserst konsequent. In dieser Hinsicht haben auch seine Gegner ihm sogar wider Willen Anerkennung gezollt. Trotzdem ist die Botschaft Linkolas nicht so originell und selbständig, wie mancher Finne heute zu glauben scheint. Der Antihumanismus Linkolas hat deutliche Gegenstücke und Parallelen in der "grünen" Diskussion anderer Länder. Bei den bundesdeutschen Grünen zum Beispiel sind seit einigen Jahren Ansätze zu finden, die den "Anthropozentrismus" des abendländischen Weltbildes in gleicher Weise in Frage stellen. Ganz ähnlich wie Linkola, der vor dem selbstzerstörerischen Fortschritt warnt, schreibt auch Manon Andreas-Griesbach: "Solange wir (...) einem

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