Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Domonkos Illényi, Das deutsche "fin de siécle": Gesellschaftstheorievon Georg Simmel
108 kulturellen Bedürfnissen bzw: Einzelansprüchen und den Organen, Organisationen o sowie dem Leben. "Die Tragödie" der Kultur besitzt darüber hinaus einen anderen Sinn, der sich auf den Unterschied zwischen der "objektiven und subjektiven Kultur" bezieht. Simmel versteht unter subjektiver Kultur die Fertigkeiten und Fähigkeiten des Einzelnen, mit deren Hilfe er sich die Errungenschaften der objektiven Kultur aneignen kann. Dem setzt aber die subjektive Rezeptionsfälligkeit eine Grenze. Die Erfahrung rechtfertigt nach Simmel, dass die Einzelnen bloss Fragmente der sich immer schneller entwickelnden, differenzierter werdenden objektiven Kultur innezuhaben, im Stande sind. Die zwischen der objektiven und subjektiven Kultur vermehrende, mit der kulturellen Entwicklung konsolidierende Distanz scheint ihm "Tragödie" zu sein, weil sich die objektive Kultur durch das Schaffen des Einzelnen entwickelt, zugleich jedoch auch die Bedingungen zustande kommen, damit die subjektive Kultur hinter der von ihr erregten, objektiven zusammenschrumpft und zurückgeht. Aus den zwei Varianten der sich aus dem Konflikt der Kultur ergebenden Krise können nach Simmel die verschiedenen Kriesenerscheinungen der Epoche hergeleitet sein. Hier scheint die kulturelle Krise ein Sammelbegriff von mehrerlei Krisenlagen zu sein. Wenn es nicht so gemeint war, so bekommt das Zeitalter der Verschärfung der Gegensätze eine etwas einseitige Interpretation. 3. Emotionstheorie Simmel will in der Lösung der kulturellen Konflikte nicht auf die "dialektischen Schemata" zurückgreifen. Das typische Kennzeichen der modernen Epoche ist, dass die Einzelnen unter grundsätzlich miteinander unaussöhnbaren Bedingungen handeln und sich entscheiden müssen, z. B. im Rahmen der Freiheit - Knechtschaft, der Unabhängigkeit - Abhängigkeit, Entfremdung - harmonischer Selbstverwirklichung usw. Der gegebene Dualismus regt zu typischen Handlungsformen an und die Wahl des Einzelnen motiviert ein emotionaler Hintergrund, - freilich zusammen mit der Bearbeitung der Umweltinfiltration. Die Vielfalt der emotionalen Reaktion sondert die Gemeinschaften ab und verbindet sie zugleich miteinander, und weist auf den Reaktionsreichtum des Menschen hin: auf den Geiz, die Habgier, die Uninteressiertheit, die Lähmung, die Besserwisserei, den unbegründeten Handlungszwang, den Zwang der Selbstadministration und rechtfertigung, die Wichtigtuerei, den Gruppen - und Herdengeist im Falle einer Geltungssucht, den Karrierismus, die Fertigkeit zum Kompromiss (aber darin auf den Vorteilserwerb), die Ausgelassenheit usw. Simmel analysiert aus der Perspektive der