Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Domonkos Illényi, Das deutsche "fin de siécle": Gesellschaftstheorievon Georg Simmel
109 Wechselwirkungen spezielle Komponenten und sichtbare Formen des affektiven Lebens. Diese werden teils als Ergebnis vorausgehender Wechselwirkungen, als Sekundäremotionen, teils als unmittelbare Ursachen der Wechselwirkungen, als Primäremotionen betrachtet. Zentralsatz seiner emotionalen Gesellschaftstheorie könnte so formuliert sein: das gemeinsame Dasein und die Kompensation dualistischer Emotionen werden zum Gruppendynamik herbeiführendem Faktor in der Umgebung des Menschen.^ IV. Die Rezeption und wirkungsgeschichtlichen Zusammenhänge Das Lebenswerk von G. Simmel war sowohl in Deutschland als auch im Ausland geschätzt, bei ihm sind solche Personen wie die Familie Weber, H. Rickert, R. Rilke vorbeigekommen. Max Weber schlug vor, Simmel nach Heidelberg einzuladen, dazwischen grenzte er sich von seiner Methode und Theorie ab. Auch Dürkheim fühlte sich zur Theorie über das Zustandekommen gesellschaftlicher Gruppen und ihrer Selbstregeneration hingezogen. In der Zwischenkriegszeit rezipierten auch amerikanische gesellschaftstheoretische Zeitschriften die Theorie von Simmel. Womöglich machte T. Parsons einen Versuch 1937 in seiner "Struktur des gesellschaftlichen Handelns", die Simmelsche Theorie zu übergehen. Die Gesellschaftswissenschaft legte nachher eher auf die wissenschaftliche Leistung Webers grösseren Wert und Akzent. Als in den 60iger Jahren das Zeitalter nach der Kritik Parsons dem Simmelschen Lebenswerk neue Impulse hätte geben können, wurden einige Sätze, Feststellungen, seine Methode lieber zur Analyse der Kleingruppentheorie, Tauschtheorie, der Urbanisation usw. benutzt und öfters zitiert. ' ^ Seit 1961 gibt man in Deutschland seine Werke wieder heraus, um dem Leser zu helfen, den Denkerhabitus gründlicher kennenzulernen.