Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Domonkos Illényi, Das deutsche "fin de siécle": Gesellschaftstheorievon Georg Simmel

104 III. Charakteristik der Simmelschen Geselíschaftstheorie und des Funktionalismus der Begriffsbeziehungen Nach Simmel darf die moderne Gesellschaftstheorie strikte, einseitige und schematische Begriffssysteme und Kategorien nicht anwenden. In seiner Theorie kommen vier grundlegende Begriffe und daran anknüpfende Deutungsgebiete zur Geltung: 1. Begriff der Wechselwirkung. Das ist die Grundlage des Gesellschaftsbaus, die vermöge der Korrelation und Interdependenz unser ganzes Wesen und alle Äusserungen prägt. Trotz allen Anscheins interessiert sich Simmel nicht für das Wesen der Einzelnen, die Substanz der gesellschaftlichen Phänomene sondern für ihre Erscheinungsformen. Gesellschaftliche Phänomene nehmen daraus ihren Ursprung, dass Einzelne mit verschiedener Intensität, Regelmässigkeit und Häufigkeit aufeinander wirken, ihr Handeln ist ihre Begleiterscheinung. Die Gesellschaft ist das Geflecht funktionaler Vertikalen, die aus Einzelnen gebaut sind, die eben Leid oder Glück fühlen - vor den gesellschaftlichen Organen. Die Gesellschaft mag durch ständiges Geschehen, Pulsieren, ewige Veränderung - als Folge der bewussten oder instinktiven Bewegung der Einzelnen - charakterisiert werden. 2. Vergesellschaftung. Die Gesellschaft ist bei Simmel ein Standard begriff, der die Konstanz suggeriert. Statt dessen entspricht die Vergesellschaftung viel exakter der Gesellschaftsbewegung, die wahrhaft geschichtliche Wenden involviert. Aufgabe des Gesellscnaftsanalytikers ist deshalb die Ergreifung der Dynamik des Handelns, Leidens, der Tätigkeit, des Erlebnisses und Erlebens, wie sich diese Dynamik aus einzelnen, bestehenden Gruppen zusammensetzt, auflöst, sich neuorganisiert und umgestaltet ­mithin die Gesellschaft von ihnen bildet. 3. Analyse der mikroskopisch - molekularen Prozesse. Bei Berührungs- und Anknüpfungspunkten bestimmter gesellschaftlicher Bündel mögen früher vernachlässigte oder für irrelevant gehaltene Phänomene zum koherenten oder externalen Wirkungsbereich kommen. Die Sympathie oder Antipathie, das Liebäugeln, die Gleichheit in der Bekleidung, dem Geschmack, die Nachahmung der Gesten, die Übernahme oder das Zurückweichen der Gewohnheiten, das Geistvolle, - reiche von Redewendungen können zwei oder mehrere Personen miteinander provisorisch oder auf die Dauer verbinden. Zugleich aber Beziehungen mögen unter dem Staat, der Kirche, der Familie, der Partei und einer Person oder mehrerer Personen zustande kommen und darin das entscheidende Wort hat nicht die für bestimmend vermutete

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