Az Egri Ho Si Minh Tanárképző Főiskola Tud. Közleményei. 1972. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 10)

bedeutung „Pädagogik" ihren Gegenstandsbereich auch auf die Erwach­senen, die Bildung und Erziehung der Werktätigen überhaupt erweitert sehen möchten; denn was heute unter „Menschenführung" als Bestandteil der Leitungswissenschaft gefaßt wird, kann durchaus als modifizierte Pädagogik bezeichnet werden. F. F. Koroljow schreibt, daß die Pädagogik — gestützt auf die dialek­tisch-materialistische Methodologie — „ihren Gegenstand, seine Grenzen und Methoden, die Verbindungen zu anderen Wissenschaften" bestimmt, „das Wesen und das Ziel der Erziehung" aufdeckt (wobei letzteres nur gesellschaftlich determiniert verstanden werden kann), die „Prinzipien der Erziehung und Bildung" ausarbeitet [7]. Das dürfte unbestritten sein. Diese Gegenstandsbestimmung kann aber noch längst nicht befriedigen. Die Aufdeckung, Erforschung und Bestimmung pädagogischer Gesetze und Gesetzmäßigkeiten, die Herausarbeitung klarer Begriffe gehören auf jeden Fall zum Gegenstandsbereich der Pädagogik, sie machen wesent­lich ihren Wissenschaftscharakter aus. Wissenschaftliche Begriffe schaffen gewissermaßen ein subjektives Abbild der objektiven Welt, in ihnen spiegelt sich in verallgemeinerter Form die konkrete gesellschaftliche Praxis wider, die in all ihren Wech­selbeziehungen zu sehen ist. „Dabei darf nicht außer acht gelassen wer­den, daß die Bestimmungen und die Klassifikation der Begriffe nicht absolute, sondern relative Bedeutung haben, daß jeder Begriff nur eine Stufe auf dem Wege der Erkenntnis darstellt und die Bestimmung immer unvollständig und begrenzt ist" [8], F. F. Koroljow und W. F. Gmurman weisen darauf hin, daß die pä­dagogische Literatur völlig zu Recht kritisiert wird, weil sie einmal an die Stelle konkret-historischer Analyse oftmals allgemeine Erörterungen setzt, zum anderen, weil sie die wissenschaftliche Bearbeitung methodo­logischer Fragen und pädagogischer Begriffe vernachlässigt. Die gnoseolo­gischen Ursachen dafür sehen diese sowjetischen Autoren in der falschen Auffassung von den Wechselbeziehungen zwischen dem Allgemeinen, dem Besonderen und Einzelnen [9], letztlich also in der nicht richtigen Sicht des Wechselverhältnisses von Philosophie und Pädagogik, in man­gelnder philosophischer Bildung der Pädagogen. Die Gesetzmäßigkeiten und Gesetze der Pädagogik können wir nur aufdecken, wenn wir die Ergebnisse der Philosophie und auch der anderen für die Erziehung und Bildung bedeutsamen Wissenschaften heranziehen, sie unter dem Gesichtspunkt der Erfordernisse des pädagogischen Pro­zesses anwenden, und zwar im Verlauf der Erforschung der praktischen Erziehungs- und Bildungsarbeit. Ebenso wie andere gesellschaftliche Ge­setze werden auch pädagogische Gesetze durch das praktische Handeln der Menschen verwirklicht. Diesem „Handeln" in seinen vielfältigen komplizierten Formen überall dort, wo erzogen und gebildet wird, ge­hört die Aufmerksamkeit der pädagogischen Wissenschaft, womit aber keinesfalls — wie oben bereits angeführt — bloße, wenn auch geordnete Empirie gemeint ist. Pädagogische Gesetze bringen wesentliche Zusammenhänge in der Entwicklung der Persönlichkeit zum Ausdruck. Pädagogik soll nicht nur 52

Next

/
Thumbnails
Contents