Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 2004. Band. 5. Germanistische Studien. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series)

DOMONKOS ILLÉNYI: Gedanken über die Gesellschafts und Geschichtsphilosophie von Walter Benjamin II

Gedanken liber die Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie. 45 freiwillige Verkneifen der Autonomie. Sowohl die weltpolitischen Ereignisse als auch der Hadergeist ab 1929 erneuerte das Gefiihl der Unsicherheit, Besorgnis und die Zwecklosigkeit der autonomen Entscheidung. Um so verlockender und reizender erschien es immer mehr, dem zu folgen, der mit beispielsloser und grosssprecherischer Selbstsicherheit agierte, alle Geheimnisse von Vergangenheit und Zukunft zu besitzen und fáhig zu sein, alle Nöte, Mángel, Unzulánglichkeiten sogar auch Gebrechen auf eigene Art und Weise zu behelfen. Dieses Autonomiedefizit weist nach und nach auf das Aufgehen der autonomen Persönlichkeit in der Masse der automaten Zujubler des Führers hin, die ihre Autonomie einst einem grossmannsüchtigen Menschen übertrugen, der statt ihrer überlegte, entschied und handelte. In dem skizierten Prozess verschwanden nach wie vor auch die letzten Spuren der Demokratie, der demokratischen Persönlichkeit. Das staatsbürgerliche Handeln begann das des Führers zu vertreten, der die Menschen der persönlichen Entscheidung, der Verantwortung, des selbstándigen Denkens enthob. Die Menschen erwarteten nunmehr die Lenkung von oben her in ihren politischen Handeln oder in ihren Einzelentscheidungen historischer Bedeutung. Der Führermythos schoss am ganzen Leben ins Kraut, von den kleinsten bis zu den grössten Problemen. Langsam blieb nicht einmal ein Moment übrig, der einer staatsbíirger lichen Entscheidung bedurft hatte, denn sich das Führerprinzip verwandelte mittlerweile in eine hierarchisierte Maschinerie, die nicht nur die unfehlbaren Entscheidungen des Führers nach untén hin vermittelte, sondern auch seine infalliblen Entscheidungsfáhigkeit. Daraus folgt der oft zitierte Slogan „den dankbaren Untertanen reiche es, wenn ein Mensch über das Land wacht. 1 1 Solange die Unsicherheit noch zu spüren ist, wird so weit die persöhliche Autonomie nicht benötigt. Als jedoch die Sturmflut verbraust, denkt man un verb or gen, unverblümt an seine früheren Freiheitsrechte. Wie mag man mithin den Autonomieverlust, ja den freiwilligen Verzicht auf die Autonomie den Menschen des weiteren abzwingen? Erst einmal dadurch, man sucht — das Gespür der Bedrohung künstlich gesteigert — eine stándige Kriegsstimmung oder militante Atmosspháre zu schaffen. Dazu braucht man den Krieg aus Mittel zum Ziel zu setzen. Das Fazit des Krieges als der Revolution der gesunden Volker ist die Ausdehnung, der Raumgewinn. Hitler selbst nannte den Krieg als das Stárkste und am meisten klassische Anzeichen des Lebens, den die Völker nicht vermissen können. 12 Ein um 25 Jahre lángerer Frieden schláfert den kampferischen Geist im Volke ein. Das Anliegen ist mithin, auf die Bedrohung und Gefárdung standig

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