Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1995. Sectio Philosophica.(Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)

Philippe Despoix: A termékeny félreértésről (Megjegyzések Arnold Hauserhez, Lukácshoz és Popper Leóhoz)

konnte und ist und an welchen Cézanne anknüpfen kann, ist eben das Produktive des doppelten Mißverständnisses: des unvermeidlichen Mißverhältnisses zwischen Künstlerausdruck und geschaffenem Werk einerseits, des notwendiges Mißverhältnisses zwischen Überliefertem Werk und Publikumsrezeption andererseits. Diese Verbindung ist ein Produkt der Geschichte der Wahrnehmung, die die Wirkung der Widerstandskraft des Materials gegenüber dem künstlerischen Wollen zutagetreten läßt. Erst der Entzauberungsprozeß des Sehens mit seiner fortlaufenden Aufwertung der perspektivischen Raumtiefe läßt erkennen, daß die intimste Intention des Naturalisten Bruegel gescheitert ist, um für uns ein großer Stilist, d.h. ein Problematiker der "modernen Abstraktion" zu werden. Hier kann man die eigentliche Distanz zu Hausers Position ermessen, der Bruegel neben Tintoretto und Greco zu einem der bewußtesten Repräsentanten eines Stils, der in Weltbild des "Manierismus" seinen Ursprung hat, machen muß, um das eminent Moderne an seiner Kunst zu retten. Erklärt der Kunstsoziologe ­gegen die These vom Naturalisten Bruegel - ihn als Vorbild eines Van Goghs, so aus der ähnlichen Organisation der Bilder und v.a. aus "jener Synthese der dem Stil beider Künstler immanenten Elemente". 2 0 Anders bei Popper, fíir welchen die zwei Momente des Mißverständnisses, inadequater Ausdruck und inadequates Verstehen, durch die radikale Autonomisierung der Kunstsphäre, ihre Abtrennung vom religiösen Glauben neu zusammengebracht werden, was eine Umwertung der Kunst Bruegels ermöglicht. "Cézanne (ist) der Erbe Brueghels ... (schreibt Popper) v.a. weil er der Problematiker ist zu des Anderen glaubensblinder Sicherheit... Wohl zehnmal zeichnet (Cézanne) einen Topf und fünfmal verändert er seine Größe und seinem Flack, dem immer schwereren, immer strafferen Gebilde gemäß, ringend, atemlos hinter seinem Schwerpunkt her, problematisch bis in die tiefste Meisterschaft hinein. Aber die Probleme lassen ihn auch erst steigen; die Unzufriedenheit treibt ihn in Höhen, die er nie erklommen hätte. Bei ihm ist der Zweifel die 'stilbildende Kraft'. Bei Brueghel ist es der Glaube (an seine Fiktion) - der sogenannte Wille zum Stil liegt beiden gleich fern." 2 1 Der Zweifel ist nach Popper der zeitdiagnostische Index für den Standpunkt, aus welchem jede moderne Kunstschöpfung in der Tat hervorgehen muß. Die Kunstsphäre beansprucht, weil sie in 133

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