Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1995. Sectio Philosophica.(Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)

Philippe Despoix: A termékeny félreértésről (Megjegyzések Arnold Hauserhez, Lukácshoz és Popper Leóhoz)

Unmöglichkeit jeder inhaltlichen Mitteilung galt für die "Frühromantik " als ironie. "Unverständlichkeit" des Werkes war Zeichen seiner Geschichtlichkeit und zugleich Bedingung der Rezeption und der Kritik. 1 0 Nietzsche war noch radikaler: es genügte nicht mehr, dem idealen Rezipienten "von vornherein einen Spielraum und Tummelplatz des Mißverständnisses zuzugestehen"; das Mißverstehen wurde produktiv im Hinblick auf die Autorität, die Aura des Werkes. Wo fremder Sinn in Text oder ins Werk hineinprojektiert wurde, da wurde "besser gehört". 1 1 Und in der Kunstgeschichte der Zeit ist - in Abgrenzung von der rein gegenständlichen Bedeutung der Dinge - die Idee, daß Wahrnehmungssubjekt und Kunstmedium eine Einheit (wenn auch eine problematische) bilden, eine schon feste Vorstellung, vor allem nach der Wirkung Alois Riegls. 1 2 Leó Popper steht eher in dieser Kontinuität als in der der neotragischen Existenzphilosophie seines jungen Freundes Lukács. Für ihn ist das Kunstwerk in seiner Unfertigkeit fertig, weil "eines jeden letzter Schluß der Empfangende ist". 1 3 Daß jedes Werk einzig in der Rezeption, als mißverstandene, fortlebt, gehört zu den frühesten und radikalesten "rezeptions­ästhetischen" Ansätzen, die sich nach der Jahrhundertwende entwickeln. Hier bringt aber Leó Popper das entscheidend Neue: nicht nur in Hinblick auf das Rezipieren ist das Mißverständnis unvermeidlich und konstitutiv, sondern ebenso auf das Schaffen. In dem Schöpfungsprozeß entsteht auch eine inadequate Beziehung zwischen Künstler und Werk. Aus dem Zwang des Materials und seiner physischen Eigenschaften, ergibt sich eine Widerstandskraft ­und dies mag den Unterschied zu Hausers späteren Ausführungen verdeutlichen - die jedes künstlerisches Wollen scheitern läßt. Das Kunstmedium selbst wird zur Apriori Bedingung der Form. Nicht als "Kunstwollen" erörtet Popper die "stilbildende Kraft", vielmehr gehorcht sie in letzter Instanz einer Logik des Materials. Dadurch schlägt nicht nur die Geschichtsphilosphie, sondern auch die psychologisierende Tendenz der Riegl-Rezeption um. Poppers Stilgeschichte ist weder reine Wahrnehmungsgeschichte noch reine Geschichte der künstlerischen Techniken. Sie vermittelt zwischen beiden durch die Voraussetzung unbewußter und zufälliger Üebereinstimmungen zwischen Materialien der Künste und dem menschlichen Leib. Darin lassen Poppers Vorstellungen an jene 129

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