VJESNIK 16. (ZAGREB, 1914.)

Strana - 262

loi nichts anderes als eine reine Opposition gegen das Gouvernement. — Durch die liberale, in vielen Stücken missverstandene Constitution des Landes begün­stiget, den Werth der Constitution darin irrig zu setzen gewohnt, dass er in der Regel frey von allen Lasten der mehresten Vortheile im Lande ausschliess­lich allein theilhaft werden und, so zu sagen, auf Kosten Anderer Menschen­klassen sich durchbringen konte, sieht er nun gleich dem verzogenen Kinde alle die Verfügungen, die in lezten Jahren zur Erreichung der grossen Zwecke nothwendig waren und auf alle Klassen ausgedehnt werden mussten, mit Un­willen an als Eingriffe in die Constitution, die er aus verzärtelten Eigenliebe und Kurzsichtigkeit, nur insofern sie ihm die Vortheile und Freyheiten ver­bürgt, in ihrer vollen Reinheit zu erhalten wünscht. Das wilde Streben, diese einseitige Reinheit der Constitution zu erhalten, durch die revolutionairen fran­zösischen Maximen erleuchtet, hat den jetzigen Geist erzeugt, der wie eine Luftgestalt nothwendig verschwindet, sobald die Wohlthätigkeit des Friedens die Zeiten zurück herbey führt, wo zu ausserordentlichen Opfern den Adel ins Mitleid zu ziehen nicht nothwendig wird und die verschiedenen Begriffe mehr analysirt werden. Die schwärmerische Bewunderung Napoleon's, der als einziger Erbe der französischen Revolution eine grosse und glückliche Rolle eine Zeitlang spielte, kommt lediglich von der Unwissenheit; es ist aber nichts weniger wahr, als dass der croatische Adel, allgemein genohmen, aus Anhänglichkeit an Na­poleon oder Bewunderung seiner Grösse sich jehmahls an ihn anschliessen würde ! So wie ich die Ursachen der unter dem croatischen Adel herrschenden Stimmung weder in einer Verschwörung noch einer bestirnten revolutionairen Absicht suche, vielmehr glaube, dass dieser Geist durch die Grundsätze der französichen Revolution im ganzen Europa mehr weniger entzündet, in Croa­tien durch den ungewöhnlichen auf Kosten der Liebe zum Gouvernement um­greifenden Druck der Zeiten verbreitet und verstärkt, durch die Unwissenheit, die bey der halben Aufklärung die gefährlichste ist, ernährt und auferzogen wurde, auch wiederum ohne allen Folgen mit der Zeit verschwinden oder eine andere Gestalt annehmen wird, so kann ich deshalb auf den Gralen Drasko­vich Joan, der in der Frage stechen (sie) kann, gar keinen Argwohn haben, von dem ich laut verlässlichen Nachrichten vernehme, dass er seit 1808, wo er gleich nach der mit Baronne Kulmer eingegangenen Ehe eine Lustreise über Strasburg nach Paris machte und sich dort sogar die vom H. Fürsten v. Metternich angetragene Ehre, dem damahligen Kaiser vorgestellt zu werden, verbetten hatte, später gar nicht in Paris war. Ein welches ich in der unterthänigsten Beantwortung der verehrten Zu­schrift vom 25. v. M. Euerer Excellenz zu unterlegen, die Ehre habe, der ich mich zu hochen Gnaden empfehlend, mit tiefster Ehrfurcht bin Euerer Excellenz unterthänigster Diener Emeric Kukovich. Wien, am 25. September 1815.

Next

/
Thumbnails
Contents