VJESNIK 16. (ZAGREB, 1914.)
Strana - 261
261 Was übrigens die in Euer Exzellenz gnädigen Schreiben namentlich bezeichneten Individuen betrifft, so sind darüber folgende Notizen eingelangt: Der Kapuziner-Guardian in Warasdin ist oder war wenigstens ein grosser Lobredner Napoleon's, dessen Talente, Regierungs-Kunst, Thätigkeit, Einsicht und Glük er nicht genug zu bewundern weiss: indess soll derselbe, als er darüber von seinen Vorgesezten zur Verantwortung gezogen wurde, erklärt haben, dass er Napoleon so wie einen Attilla, Alexander und andere grosse Welten-Eroberer in Hinsicht ihrer grossen Eigenschaften zwar bewundere, ihn aber eben so wie die andern Eroberer für eine Geissei der Menschheit halte und verabscheue. Er soll ein Schwäzer seyn, ohne gerade böse Absichten zu haben. Grafen Draskovich giebt es in Croatien viere : Der Aelteste, Franz Draskovich, ist ein würdiger alter Magnat, allgemein geschäzt und geliebt, der bloss für seine Familie und die Armen lebt. Joseph Draskovich, sein Sohn (ein sehr unwürdiger Leopoldi Ordens Ritter), fahrt, reitet und galopirt wie unsinnig herum, wirft alle Woche ein paarmal mit der Karosse um und ist stolz auf das Glück, noch nicht den Hals gebrochen zu haben. Die übrige Zeit verwendet er zu Unterhaltungen für sich, seine Frau und Kinder und bricht sich wenig den Kopf mit Bonaparte, französischen Systemen und allen Constitutionen der Welt. Die 2 Brüder Georg und Johann Draskovich leben auf ihren Gütern und kommen selten in die Stadt. Georg ist gröstenteils in Hungarn, hat bereits 11 Kinder und eine sehr vernünftige, hausshälterische Gattin, gebohrne B. Orczy, welche das ganze Hauss und Ihren Mann regiert. Sie lebet sehr haüsslich und eingezogen, um das wieder zu ersparen, was der Mann unnöthig verzehrt. Johann Draskovich ist unter allen der talentvollste und activste; ebenso viele Talente hat seine Gemahlin, gebohrne Baronesse Kulmer. Er hallt sich auf seinen Gütern in Illyrien auf; er hat sich so wohl unter der französischen als später unter der oesterreichischen Regierung nach den Umständen gerichtet. Er ist von sehr verschlossenen Karakter und giebt sich selbst durch verblümmte geheimnissvolle Reden mit etwas Literatur aufgepuzt ein gewichtvolles Ausehen. Indess ist er wenigstens izt mehr oesterreichisches (sie) als französisch gesinnt und würde für den Hof ganz gewonnen werden können, wenn sein sehnlicher Wunsch, angestellt zu werden, erfüllt würde, wozu ihn seine Talente auch eignen. Graf Karl Erdödy, Schwieger-Vater des Sohnes des Oberst-Kämmerers, ist in Croatien als ein Wucherer verschriene (sie), der alles Geld zu Speculationen von seinen Gütern nach Wien zieht; er soll nach Croatien geschrieben haben, auf seiner (sie) nach Paris und von dannen zurük habe er so grosse und glükliche Geld-Geschäfte gemacht, dass er noch mehr profitirt habe, als hm die ganze Reisse gekostet habe. la. B. Euere Excellenz! Die Grundsätze, womit der jüngere Adel nicht nur in Croatien, sondern auch in Ungarn beseelt ist, klar, nach meiner Meinung ausgesprochen, sind