VJESNIK 16. (ZAGREB, 1914.)

Strana - 260

260 a) hat ein dreijähriger Misswachs alle Klassen der Einwohner Kroatiens arm gemacht. Ausser den grössern Herrschaften ringen alle andern mit Noth und Elend, und auch die grössern Herrschaften sehen sich ausser Stande mit hinreichender Hülfe ihren darbenden und hungernden Unterthanen beizustehen. Demohngeachtet mache man in Rüksicht der Foderungen für die Staats-Bedürf­nisse keine Ausnahme, ohne zu bedenken, dass man eine Regierung nicht lieben könne, welche, statt zu helfen, den lezten Heller abfodert; b) getauschte Hofnungen — mit Zuversicht hofte Alles in Kroatien, es bedürfe nur des Ueberganges von der französischen Regierung an die gegen­wärtige, um glüklichere Zeiten zu erleben, und nun seyen solche drükende Verhältnisse eingetreten, dass man die vorigen Zeiten mit Sehnsucht zurük­wünschen müsse, denn die gegenwärtigen bringen zwei Drittheile der Einwohner Croatiens der Verzweiflung und dem Hungers-Tode nahe; c) herrscht in ganz Croatien die Meinung, die Regierung habe von Croa­tiens Zustande nicht die geringste Kentniss und gäbe sich auch keine Mühe, solche zu erhalten ; fast, meint man, wäre es unmöglich, dem allgemeinen Elende so unthätig zuzusehen und besonders dem Wucher, von dem unter der vo­rigen Regierung keine Spur vorhanden gewesen sey, so ungestörten Lauf zu lassen; d) der provisorische Zustand des grösten Theils von Croatien, dessen Adel in beiden Theilen Croatiens Güter besizt; e) die den Napoleoniten zu Theil gewordenen Anstellungen, wodurch viele verleitet werden, ihre vorige auch während der französischen Occupation an Oesterreich bewiesene Anhänglichkeit zu bereuen; f) theilt Kroatien mit den übrigen benachbahrten Prowinzen Stokung im Handel und Verkehr, den höchsten Geld-Mangel, hohe Salz-Preisse und un­erschwingliche Theürung aller Lebensbedürfnisse. Endlich g) herrscht grosser Neid gegen jene Prowinzen, welche mit der Circula­tion des guten Geldes betheilt sind; aber durch die Verhältnisse zu dem be­nachbahrten Prowinzial-Kroatien entstehen daraus für beide die traurigsten Folgen, besonders seitdem man das Kupfer-Geld nach dem Tariff des Mar­schalls Marmont auf den vierten Theil des Werthes herabgesezt hat; nun ist der Curs in ganz Illyrien bereits auf 400 gestiegen und die Wucherer und Geld-Mäkler haben von Wien bis nach Croatien und durch ganz Illyrien ein unermessliches Feld zu ihren die Unterthanen aussaugenden Spekulationen. Dieser Punkt ist der Gegenstand der bittersten Klagen, und nach der Versi­cherung fast aller Korrespondenten sey es nicht zu läugnen dass man diese Klagen aus dem Munde der treüesten Anhänger des Allsten Hofes höre und dass die Ueberzeügung allgemein sey, so zwekwiedrige, Staat und Unterthanen ruinirende Finanz-Operationen häte man von der französischen Regierung nie zu erwarten gehabt. Anmerkung. Diess sind die Haupt-Züge aus weitläufigen Briefen, welche der gehorsamst unterzeichnete über die Stimmung von Kroatien erhielt; sie enthalten sehr unangenehme Sachen, allein bei diesen Materialien hätte man der Wahrheit zu ungetreu werden müssen, wenn man ein angenehmes Bild entworfen hätte. Im Gegentheil hat der unterzeichnete die Schilderung von dem in Kroatien herrschenden Elende nur auszugsweise benüzt und Aeüsserungen, welche über unser Finanz-Ministerium in Croatien im Gange seyn sollen, als zu beleidigend ganz weggelassen,

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