VJESTNIK 4. (ZAGREB, 1902)

Strana - 102

iÔ2 Königs Peter als aus einer zeitgenössischen Quelle stammend bezeichnet, Indern er sich hiebei auf Kaindls Untersuchungen stützt, die der ungarische Recensent, ebenso wie jene Hubers, sehr mit Unrecht, als überaus oberflächlich bezeichnet. Der ungarische Recensent hält dafür, dass die Betonung des Erbrechtes des Königs Ladislaus den alten Chroniken hinzugefügt worden sei, als dieser König heilig gesprochen wurde, weil man allen seinen Handlungen den Cha­rakter der Legitimität aufprägen wollte. Nun steht aber diese Nachricht in der alten ungarischen Quelle in Übereinstimmung mit dem neuestens veröffentlich­ten 1 Brief des Königs Ladislaus und mit dem von keiner Seite angezweifelten Freundschaftsvertrag Kolomans mit dem Dogen von Venedig. König Ladislaus selbst schreibt, dass er beinahe ganz Slavonien er­worben hat „quia Sclauoniam iam fere totam aquisivi" — seine Frömmigkeit hinderte ihn nicht in eben diesem Briefe zu berichten, dass er anderwärts gegen Barbaren gekämpft habe. Koloman selbst betont sein Erbrecht und der hatte doch nicht die Ambition heilig gesprochen zu werden. Bekanntlich ist uns die Chronik Kéza's nur in einer späten schlechten Handschrift erhalten, wir können also nicht einmal darüber endgiltig entschei­den, ob nicht spätere Abschreiber zu Kéza's Nachrichten noch weitere Zusätze gemacht haben; es ist nicht einmal sicher, ob das „usque hodie" in Kéza's Handschrift nicht späteren Datums als Kéza selbst ist. Der Zusatz „Sedes enim hujus regis in Tenen erat civitate" deutet auf eine Zeit hin, in der die alte Veste Knin viel genannt wurde und ein aktuelles Interesse erregte. Dieses geschah im Jahre 1344 und in den nachfolgenden Jahren, wo Ludwig I. eben wegen dieser Festung, dem „Schlüssel Dalmatiens", einen Krieg begann. Der ungarische Abschreiber der Chronik hatte zu dieser Zeit guten Grund zu beto­nen, dass die ungarische Krone schon seit Koloman auf diese Festung einen besonderen Rechtstitel habe. Der kroatische Recensent hat über diese Zeit eine brauchbare Abhandlung geschrieben, er hätte auf diesen Gedanken kommen können, wenn er nicht von der Voraussetzung der Existenz des Königs Peter befangen wäre. Dass Simon de Kéza's Chronik Zusätze und zwar unrichtige Zusätze ent­hält, beweist folgender Umstand. Muglen's Chronik, Chronicon Budense und Chronicon pictum Vindobonense melden die Nachricht vom Tode des Königs Peter ein wenig verschieden: das Chronicon pictum sagt: occiso rege Petro; das Chronicon Budense sagt: occiso suo rege Petro; Muglen's Chronik: derselb kunig Coloman slug den kunig von dalmacia tzu tode. Alle drei Chroniken stimmen demnach in der Angabe überein, dass Ko­loman den König Peter selbst erschlug. Obwohl diese Nachricht unerwiesen ist, da die Existenz dieses Königs, wie gesagt, einzig und allein in dieser Stelle der ungarischen Chroniken erwähnt wird, welche auf eine gemeinsame Quelle zurück zu führen sind, so kann doch aus allen drei Excerpten einer älteren 1 V. Klaić im „Vjestnik" des k. kroat.-slav.-dalm. Landesarchives, Jahrgang III.. Nro. 1. ; V. Fraknôi, Szent Laszlö levele, Budapest 1901. mit Faksimile.

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