K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)
P. Sebastian Mayr: Das Archiv des ehemaligen Kollegiatstiftes Spital am Pyhrn in Oberösterreich
Das Archiv des ehemaligen Kollegiatstiftes Spital etc. 71 Teile in einem Wust von ganz wertlosen Bureauabfallen vergraben waren, von Staub und Moder zu säubern. Als Nebengewinn dieser barten Arbeit, die mir und meinem Hilfsarbeiter eine heftige Entzündung der Respirationsorgane und eine lang andauernde Erschlaffung der Stimmbänder eintrug, ergab sich eine Übersicht über die Bestände, und bald war auch der Schlüssel zur Trauner’schen Ordnung gefunden. Nachdem ich mich von der klaren Zweckmäßigkeit des Trauner’schen Systems überzeugt hatte, glaubte ich durch Wiederherstellung des Systems der übernommenen Arbeit am besten gerecht zu werden; ein paar reine äußerliche Neuerungen schienen jedoch durch die Rücksicht auf eine bequemere Hantierung und auf Raumersparung geboten. Eine dieser Neuerungen war die Schaffung einer besonderen Urkundenabteilung. Trauner hatte sämtliche Urkunden in jene Faszikel eingelegt, in die sie sachlich gehörten. Bei der Neuordnung wurden die wenigen noch vorhandenen Pergamenturkunden ausgehoben und mit anderen losen Pergament- und Papierurkunden zu einer besonderen Urkundengruppe vereinigt. Das alte Schubladensystem wurde aufgegeben, dafür wurden in den Archivschränken Regale angebracht, die Faszikel wurden in Kartons nach dem Muster der im oberösterreichischen Landesarchive gebrauchten „Schuberbände“ eingelegt, die Kartons wurden fortlaufend numeriert und in den Regalen aufgestellt. Endlich wurden die gefalteten Aktenbündel der Hofgerichtsregistratur und des Klauser Archivs aufgelöst, in Faszikel geordnet und gleichfalls in Kartons eingelegt. Auch die gebundenen Amtsbücher wurden geordnet. Die neugeordneten Archivbestände zerfallen äußerlich in drei Gruppen. Die erste Gruppe umfaßt 140 Pergamenturkunden, davon 133 ohne Siegel und 22 Papierurkunden. Das älteste Stück ist eine Urfehde aus dem Jahre 1417. Von allgemeinerem Interesse sind nur wenige Stücke, so etwa der auch von Czerny in seinem oben angeführten Berichte erwähnte Spruchbrief vom 3. März 1420, durch den ein Grenzstreit zwischen den Stiften Spital und Gleink