K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)
P. Sebastian Mayr: Das Archiv des ehemaligen Kollegiatstiftes Spital am Pyhrn in Oberösterreich
70 Sebastian Mayr Kommission für das Jahr 1881, die Urkunden aus der ältesten Zeit seien gelegentlich der Aufhebung des Stiftes dem k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchive einverleibt worden, und Pritz hat seine Geschichte von Spital hauptsächlich auf Grund von Urkunden abgefaßt, die sich im Haus-, Hof- und Staatsarchive befinden; endlich erwähnt G. Wolf in seiner Geschichte der k. k. Archive in Wien, p. 218, der Überführung von Spitaler Urkunden in das genannte Archiv. Ein überaus reiches Material zur Geschichte der Bauernaufstände, 21 Faszikel mit 773 Stücken, das von dem erwähnten Revisor noch als vorhanden bezeichnet wurde, war zufolge eines Briefes des ehemaligen Kanonikus Leeser schon vor dem Jahre 1820 nach Linz gebracht werden. Dieses Materiale wird heute im Museum Francisco- Carolinum in Linz aufbewahrt und ist, wie eine im Jahre 1900 von mir vorgenommene Revision ergab, bis auf Fasz. Nr. I, der sich nicht vorfand, vollständig erhalten. Nebenher sei hier erwähnt, daß diese Bauernkriegssachen mit jenen Akten identisch sind, die Czerny bei seiner Durchmusterung des Spitaler Archivs im Jahre 1880 vermißt hat. Großen Schaden litten endlich die Archivbestände mittelbar und unmittelbar infolge des Brandes, der am 26. Oktober 1841 den Ort Spital a. P. und auch das Stiftsgebäude in Asche legte. Eine Partie, hauptsächlich Passau- ische Diözösan-Reskripte, wurden ein Raub der Flammen, der größte Teil wurde zwar gerettet, nach dem Brande aber nicht hinreichend geborgen, ja teilweise sogar direkt der Plünderung und der Verschleppung preisgegeben. So erklärt es sich, daß heute nicht nur im Gemeindearchiv von Windischgarsten Akten liegen, die aus dem Archive von Spital stammen, darunter eine handschriftliche Chronik des Stiftes, die auf einer sorgfältigen Benützung des Archivs beruht und einen Kanonikus zum Verfasser haben dürfte, sondern daß auch Private in den Besitz von Spitaler Archivalien gekommen sind. Als ich im Jahre 1892 die Neuordnung in Angriff nahm, war die erste Aufgabe, die Akten, die zum guten