K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)

Karl Gianonni: Über Archive in Niederösterreich (Viertel unter dem Wienerwald)

Über Archive in Niederösterreich. 41 richtige Erken ntnis, dies nicht selbst besorgen zu können Daraus ergibt sich nur leider die Folgerung, daß die Schuld an diesen Zuständen nicht so sehr an den Archiv­besitzern als an den Archivinteressenten liegt, daß vor Allem die staatliche Behörde, die Zentral-Kommission für Kunst- und historische Denkmale ihrer unzulänglichen Mittel wegen hier bisher ohnmächtig bleiben mußte. Es fehlt an der Konservierung der Archivalien und an deren Ordnung, sowie an der für beide nötigen und der Be­nützung so förderlichen Zentralisierung. Diese wäre wohl durch weitere Ausgestaltung des n.-ö. Laudesarchives und des n.-ö. Statthaltereiarchives zu Depositorien der Herr­schafts- und Gemeindearchive und der Archive aller staat­lichen Unterbehörden am wirksamsten zu erreichen. Am schmerzlichsten aber empfindet man es, daß man — abgesehen von dem Zustande der Archive — überhaupt gar nicht weiß, wo es Archive gibt und was sie enthalten. Die Archivalien einzelner Herrschaften sind bei deren Ver­kauf hie und da mit dem Verkäufer fortgewandert oder sind bei Vereinigung mehrerer Herrschaften in der Hand eines Besitzers an einem Herrschaftssitze, manchmal in einem anderen Kronlande oder mindestens in einer anderen Gegend, vereinigt worden. Es gibt auch keine Auskunfts­stelle über diese Verhältnisse; man ist auf einige verstreute literarische Notizen aus älterer Zeit und zufällige private Auskünfte angewiesen. Damit will ich durchaus nicht den einzelnen, oft sehr verdienstvollen Funktionären der Zentral- Kommission irgendwie nahe treten. Denn so wie ihre Geld­mittel nicht genügen, so genügt auch die gegenwärtige Organisation kaum zur Bewältigung der großen, ausständigen Arbeit einer Archivinventarisierung. Die Konservatoren der III. Sektion sind meistens Archivare, denen ihre Amts­tätigkeit für ihre als Ehrenamt besorgte Aufgabe kaum eine andere Zeit frei läßt als den Sonntag für den Besuch der außerhalb Wiens gelegenen Herrschafts-, Stadt-, Be­hörden- und Pfarrarchive. Nur eine große Zahl von Kon­servatoren, welche kleine Amtsbezirke unter sich aufteilen

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