Evangélikus Elemi Iskola, Budapest, 1882
io zu unheildrohenden Wogen aufgewühlt, wenn Freudenrausch, Zorn, Aerger, Furcht, Angst, Schreck, Entsetzen und andere dergleichen Affecte sein Inneres schon derart beherrschen, dass das Gleichgewicht seiner Vorstellungen gestört ist und er nicht mehr Herr seiner selbst ist. Das wirksamste Mittel gegen die leicht zu chronischen Seelenleiden werdenden Leidenschaften bildet die Uebung in der Selbstbeherrschung, Gewöhnung an wenige Bedürfnisse, an Ordnung, Massigkeit und Enthaltsamkeit, endlich ablenkende Beschäftigung und Erwecken neuer Interessen. Schon bei dem kleinen Säuglinge, welches wegen irgend eines Schmerzes oder eines versagten Wuusches weint, sehen wir, dass es sofort ruhig wird, wenn man ihm einen neuen interessanten Gegenstand vorzeigt oder durch Klingeln, Rasseln mit dem Schlüsselbunde, Klopfen an dem Fenster etc. seine Gedanken ablenkt, bis das Gleichgewicht seiner Seele wieder hergestellt ist. Droht z. B. das Spielen deinem Kinde schon derart zur Leidenschaft zu werden. dass es für erstere Thätigkeit untauglich werden kann, oder steht es zu befürchten, dass Habsucht, Neid, Geiz Thierquälerei sein Herz verhärtet, so halte von ihm den Gegenstand seiner Sehnsucht ferne und lenke sein Interesse auf neue, entgegengesetzte Dinge, wie die Lust zur Blumenpflege, Seidenzucht, Briefmarkensammeln, Laubsägearbeit u. dgl., aber derart, dass keine Bestimmte Vorstellungsmasse über andre dominirt, sondern sein Interesse ein vielseitiges und dabei doch harmonisches werde. Je früher du diese harmonische Erziehung beginnst, desto heilsamer ist es für das Kind. Geringe Kleinigkeiten üben schon einen bedeutenden Einfluss auf die Gestaltung seines späteren Lebenswandelsaus, bevor man noch glaubt, dass auf dasselbe schon überhaupt etwas wirken könne. Wären die Mängel der Seele, welche eine fehlerhafte Behandlung der Kleinen verursachte, ebenso ersichtlich, wie die körperlichen Gebrechen, welch’ traurigen Anblick würde unsre Nachkommenschaft gewähren! So hört man oft zu den Kleinen sagen, wenn ihnen die Suppe gereicht wird: „Iss, iss doch, sonst bekommt es gleich dein Schwesterlein!" oder: „Wenn du nicht essen willst, werde ich sie gleich selbst aufessen!“ Erhält es ein neues Spiel oder Kleidchen, dann heisst es: „Das gehört dir ganz allein; dein Brüderlein darf es nicht anrühren! Niemand hat ein so schönes Kleidchen wie du! etc. Duldet nicht dergleichen Redensarten, ihr Mütter! Wenn euer Kind die Siissigkeit des Gebens auch noch nicht zu fühlen vermag, so wird durch solche Worte doch der Same des Neides, der Selbstsucht, der Eifersucht in das Kindesherz gesäet. Im Gegentheile, lass die Geschwister