Urbs - Magyar Várostörténeti Évkönyv 10-11. (Budapest, 2017)
Városok és természeti erőforrások. Válogatás az V. Magyar Várostörténeti Konferencián (Budapest Főváros Levéltára, 2015. november 18-19.) elhangzott előadásokból - Sonnlechner, Christoph: Die Versorgung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt. Methoden - Quellen - Ressourcen
Sonnlechner, Christoph: Die Versorgung der mittelalterlichen ... 25 b.3) Lebensmittel Historiker sind sich einig, dass mittelalterlichen Europäer die meisten Kalorien in Form von Getreide erhalten haben. Fleisch und Fisch dienten der Proteinergänzung und wurden hauptsächlich von Eliten und Bürgern verbraucht. Getreide stellte den größten kontinuierlichen Fluss von Biomasse in urbane Systeme dar. Ernährungsstudien von beiden Seiten der Alpen gehen von einem mittleren Jahresverbrauch in der Größenordnung von 300 bis 500 Liter (250 bis 375 kg) Getreide pro Köpf aus, wobei ein Großteil der Abweichung durch den hohen Verbrauch von Bier in den nördlichen Ländern entsteht. Für die Bierproduktion werden irn Gegensatz zur Weinproduktion große Mengen an Getreide gebraucht. Beträchtliche Mengen an Getreide wurden auch für den Verzehr durch städtisches Vieh, vor allem Pferde, gebraucht. Die 80-100.000 Einwohner von London benötigten um 1300 jährlich 34- 35.000 Tonnen Getreide für Lebensmittel, Getränke und Tierfutter. Mit den zur Verfügung stehenden Produktionstechniken in der Umgebung ergibt diese Menge nach Abzug des Saatguts die Ernte von 43-65.000 Hektar oder ca. zehn bis fünfzehn Prozent der Getreideernte in dieser Region pro Jahr. Das bedeutet, dass London Getreide von einer Fläche bezog, die 150 bis 225mal so groß war wie die Fläche der Stadt selbst. Das meiste Londoner Getreide kam über Getreidehändlem aus einem ausgedehnten, aber weitgehend zusammenhängenden Hinterland auf den Markt. Preisdaten, Kontakte von Getreidehändlem und Aufzeichnungen der Verkäufe großer Grundherrschaften lassen uns eine Getreidebauregion von rund 10.360 km2 identifizieren, innerhalb derer sich Produktions- und Transportkosten effektiv kalkulieren ließen, um eine Marktbedienung in London ökonomisch rentabel zu gestalten. Dieses Gebiet reichte von oberhalb von Henley, jenes Punktes ab dem die Themse schiffbar ist, rund 250 Kilometer bis zu kleinen Häfen in East Anglia und im Süden von Kent, aber selten mehr als 30 Kilometer über Land von der Stadt oder vom Wasser landeinwärts. In diesem Raum übte der Londoner Markt entscheidenden Einfluss aus und verursacht eine Intensivierung der Landwirtschaft. Die bestand in mehr Arbeit und Kapital pro Landfläche. Ökosysteme wurden dadurch weit mehr belastet und verändert als es die Bedürfnisse der lokalen Herren und Bauern erfordert hätte. Da die Londoner Bevölkerung 14 Prozent der regionalen Bevölkerung ausmachte, aber 15 bis 20 Prozent des verfügbaren Getreides konsumierte, kann die Stadt für die „Überproduktion“ von 25 Prozent an Getreide verantwortlich gehalten werden. Die Produktivität, welche agrarische Betriebe irn Südosten von England damals erreichten, legt nahe, dass der Londoner Verbrauch Ökosysteme an zeitgenössische Grenzen der Nachhaltigkeit gelangen ließ. Studien haben