Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Das Budapest von morgen

weiterhin der Mittelpunkt der verarbeitenden Industrie. Wenn in der Hauptstadt und ihrer Umgebung die Investitionen bedeutend wachsen, können die entwickelten Industriezweige die Ansprüche der Volkswirtschaft wirkungsvoller und konzentrierter befriedigen und die Agglomeration der Industrie bestimmen. Mit der Aufhebung des starren Industriebauverbots können die an die Nähe der Haupt­stadt gebundenen Industriebetriebe, die größere Flächen beanspruchen, oder diejenigen, die das Stadtbild stören, in die Umgebung verlegt werden. Da der Platzmangel in den Industriebetrieben Budapests behoben werden muß und damit zu rechnen ist, daß die mo­dernen Industrietechnologien größere Ausdehnungsmöglichkeiten erfordern, vergrößert sich das Budapester Industriegebiet in erster Linie durch neue Industrieanlagen. Es ist auch notwendig, für rationellere Lagerungs- und Speicheranlagen zu sorgen. Die Mechani­sierung, die Automatisierung und die Kybernetik erfordern eine hohe technische Bildung. Vor allem nach 1980 wird den demographischen Bewegungen entsprechend in den Produk­tionszweigen der Beschäftigtengrad abnehmen und die Produktivität und Rentabilität zunehmen — der Lebensstandard steigt. Die Arbeitskräfte aus der Industrie, vor allem die weiblichen Arbeitskräfte, werden in erster Linie in die für die Entwicklung einer Großstadt so bezeichnenden Tertiärzweige ab­wandern, die bis 1985 125 000—150000 Arbeitskräfte zusätzlich beanspruchen werden. Dieser Bedarf an Arbeitskräften wird bis 2000 in gemäßigtem Tempo weiter ansteigen. Vor allem in der Budapester Umgebung wird die Heimarbeit zunehmen. Budapest bleibt weiterhin Mittelpunkt des Geisteslebens, doch infolge der schnelleren Angleichung der Provinz an die Hauptstadt und der Dezentralisierung einiger Forschungs­institute wird sich die übermäßige Konzentration auch in dieser Hinsicht vermindern. Dagegen werden die Urbanisationsprobleme immer drückender. Die rasche Zunahme des Autoverkehrs erschwert den Verkehr in den Straßen. Der Schutz der Biosphäre, der Kampf gegen Umwelt- und Wasserverschmutzung geht voran, erfordert aber immer größere Summen. Die Verbindungen zwischen Wohnung und Arbeitsplatz verbessern sich, die Fahrzeiten verringern sich. Das Angebot im Handel und in den Dienstleistungen wird sich den Ansprüchen anpassen, die Verteilung gleichmäßig sein. Die Entwicklung wird grundlegend durch die zu erwartende Bevölkerungszunahme beeinflußt, die eine sich allmählich verringernde Tendenz aufweist. In der Perspektive der dreißig Jahre von 1970 bis 2000 wird die Bevölkerung Budapests „nur“ um 300 000 Personen zunehmen, d. h. die Bevölkerungszunahme geht im Vergleich zu den Jahren vor 1970 um die Hälfte zurück. Infolge der raschen Urbanisation der Agglomerationszone werden durch die Verwirk­lichung der Perspektivpläne in den Randgebieten in der Umgebung Budapests Städte mittle­rer Größe und kleinere „Schlafsiedlungen“ entstehen. Die Bevölkerung in den Vorstädten Budapests wird um das Jahr 2000 mehr als eine halbe Million betragen. Während im Laufe von dreißig Jahren die Zahl der Budapester um ungefähr 15 Prozent steigt, wird sich die der Randgebiete um nahezu 50 Prozent erhöhen. Die Anziehungskraft Budapests wird jedoch kaum nachlassen, denn nahezu ein Viertel des im ganzen Lande niedrigen Bevöl­kerungszuwachses wird noch um die Jahrhundertwende auf Budapest und seine Umgebung entfallen. Bereits in 15 Jahren werden sich 23—24 Prozent der Bevölkerung, 24—25 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung und 26—27 Prozent der Erwerbstätigen auf Budapest und seine Umgebung konzentrieren. Dieses Verhältnis wird sich bis 2000 kaum verändern. Bis 81

Next

/
Thumbnails
Contents