Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Das Budapest von morgen
In der Budapester Agglomeration — ähnlich wie das im allgemeinen in der europäischen Entwicklung beobachtet werden kann — vollzog sich eine Schichtung. Um den Stadtkern, in dem vor allem die Landesorgane, Behörden und wichtigsten Handels- und Kulturzentren ihren Sitz haben, entstand noch innerhalb der Stadtgrenzen der innere Ring. Die Bevölkerung der an Budapest angrenzenden Siedlungen wächst ständig. Die Ziele der Stadtentwicklung sind im „Allgemeinen Plan der Stadtordnung von Budapest und seiner Umgebung“ enthalten, der in seiner ersten Form 1960 und in seiner verbesserten Form, die die veränderten Bedingungen bereits in Betracht zog, 1970 entstand und von der Regierung gebilligt wurde. In diesem Plan, der die Entwicklung bis zum Jahre 2000 festlegt, ist es das Hauptziel, die einzelnen Gebietsteile auf den gleichen Versorgungsstand zu heben. In den Randgebieten und Vorstädten ist der Bau einer Anzahl von Institutionen unterer und mittlerer Stufe und öffentlicher Dienstleistungsbetriebe vorgesehen. Ferner werden ein reibungsloser Verkehr gesichert und gesündere, zivilisierte Lebensbedingungen einer Großstadt geschaffen. Der Plan sieht keine weitere Ausdehnung der Stadt vor. Er will vielmehr in der vorhandenen Stadtstruktur durch den Umbau und die Bebauung der lückenhaften Gebiete, die Anlage neuer Grünflächen und die Schaffung neuer Stadtzentren die Entlastung des bisherigen Stadtkerns erzielen. Ein grundlegendes perspektivisches Ziel ist die Verlangsamung des Agglomerationsprozesses in Budapest und seiner Umgebung, die Veränderung der Wirtschaftsstruktur, die Schwächung der übermäßigen Konzentration und gleichzeitig durch selektive, intensive Entwicklung die Hebung der Wirksamkeit des sozialen und wirtschaftlichen Potentials, um die bestmögliche Befriedigung der volkswirtschaftlichen, lokalen und infrastrukturellen Bedürfnisse zu gewährleisten. Hat man die Entwicklung Budapests zur Weltstadt im Auge, müssen die Vorteile der Konzentration bewahrt werden. Der Ausbau der Budapester Agglomeration muß der gesamten Volkswirtschaft und der Gebietsentwicklungspolitik entsprechen. In einer Perspektive von 30 Jahren, von 1970 bis 2000, werden sich die Zunahme und das Durchschnittsalter der Bevölkerung, das Tempo der Zuwanderung, der Beschäftigtengrad und das Gewicht der Produktionszweige und der Industrie in Budapest allmählich — in einzelnen Gebieten nur geringfügig — vermindern, in den umliegenden Siedlungen dagegen werden sie ansteigen. In den nächsten 15 Jahren werden Arbeitskräfte aus der Industrie ausscheiden. Der Bedarf an Arbeitskräften in der Bauindustrie und im Dienstleistungswesen kann jedoch weiterhin Spannungen verursachen. Um 1990—2000 wird es an der Zeit sein, das Verwaltungsgebiet der Hauptstadt auf die entwickelten Randsiedlungen auszudehnen. Schon vorher wird das Agglomerationsgebiet erweitert, und eine neue Zone von Vorstädten wird sich bilden. In der Perspektive, bereits mit dem Beginn des fünften Fünfjahrplans, also ab 1976, werden die Aufgaben zwei Jahrzehnte hindurch zunehmen. Wohnhäuser, Wohnungen und neue Stadtteile müssen mit den notwendigen Nachfolgeeinrichtungen errichtet werden; das Netz der Produktion und die Infrastruktur sind zu modernisieren. Die Energieversorgung der Stadt und ihre sonstigen kommunalen Leistungen müssen sich erhöhen. Grünflächen sollen angelegt werden. Die wirtschaftliche und geistige Struktur der Budapester Agglomeration verändert sich. Die Bedeutung der Industrie in der Hauptstadt wird abnehmen, doch Budapest bleibt auch 80