Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Das Budapest von morgen
Im Namen der dankbaren Budapester stiftete der Rat der Hauptstadt 1966 den Preis „Pro arte“ und 1968 den Preis „Pro urbe“, den Lehrer, Ingenieure, Ärzte und Künstler erhalten, die sich um die Stadt besondere Verdienste erworben haben. Die große Wende, die die Befreiung für das Land brachte, spiegelt sich auch in den bildenden Künsten wider. Das 1947 fertiggestellte Freiheitsdenkmal, ein Werk von Zsigmond Kisfaludi Strobl, das sich auf der Spitze des Gellértberges über die Donau erhebt, wurde zum Symbol des neuen Budapest. Die Statuen von Marx und Engels, am Pester Brückenkopf der Margaretenbrücke vor dem Sitz des Zentralkomitees der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, versinnbildlichen unsere ideologische Grundlage in einem zeitgemäßen Kunststil. Die Leninstatue am Rande des Stadtwäldchens, ein Werk des Bildhauers Pál Pätzay, stellt den Philosophen, Revolutionär und Staatsmann in menschlicher Nähe dar. Das Ehrenmal der Helden der Räterepublik, ein mit einer Fahne vorwärtsstürmender Soldat der Roten Armee, ein Werk von István Kiss, ist nach einem zeitgenössischen Plakat gearbeitet. Auf der Blutwiese (Vérmező), wo 1795 die Führer der ungarischen Jakobiner hingerichtet wurden, steht heute das Denkmal des Freiwilligen Budaer Regiments, das für die Befreiung der Stadt kämpfte und fiel. Straßennamen und Gedenktafeln verweisen auf die Kontinuität der Geschichte Budapests. Neben dem historischen Rückblick sind auch Themen der Gegenwart in den Werken der bildenden Künste vertreten. 840 Plastiken und 170 baugebundene Werke verschönern den Alltag der Budapester, so u. a. die „Ausspannende Familie“ im Neubauviertel in Óbuda oder der „Wassertragende Esel“ in der József-Attila-Wohnsiedlung, der sich besonders bei den Kindern großer Beliebtheit erfreut. Die Büsten auf der Künstlerpromenade der Margareteninsel erinnern an die Repräsentanten des kulturellen Erbes. Anläßlich der Hundertjahrfeier der Vereinigung Budas und Pests wurde auf der Margareteninsel auch die Bronzeskulptur aufgestellt, die zwei verflochtene Flammen darstellt, ein Werk des Bildhauers István Kiss. Die Reliefs verweisen auf Momente aus der Geschichte der Stadt, angefangen vom Walzstock des Wanderburschen über die Kriegshelme des ersten Weltkrieges bis hin zum Pfau, dem Symbol der Budapester Kunstwochen. Das Budapest von morgen Die bisher erzielten wirtschaftlichen Resultate, die soziale und finanzielle Lage des Landes, die in der Planung erzielten Erfahrungen ermöglichten eine Konzeption der Stadtentwicklung, die die gewissenhaft analysierten Anforderungen der perspektivischen Entwicklung in Betracht zog. In Budapest — auf dem Stadtgebiet von 525 km2 — überschritt die Einwohnerzahl bereits 1970 die Zwei-Millionen-Grenze. Die Bevölkerungszahl am Tage liegt sogar über 2,3 Millionen. Zusammen mit den 44 Vorstadtsiedlungen, die mit der Hauptstadt in engster Verbindung stehen, beträgt die Bevölkerungszahl des Budapester Siedlungsverbandes nahezu 2,4 Millionen, d. h. 23 Prozent der Landesbevölkerung. Trotz der Dezentralisationsbestrebungen des vergangenen Jahrzehnts konzentriert sich das Kultur- und Wirtschaftsleben des Landes noch immer zu stark auf diesen Raum. 79