Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapest während der ersten zwei Jahrzehnte des Systems der lokalen Räte (1950-1970)

letzten Jahrzehnts das Entwicklungstempo der übrigen ungarischen Städte auf das Zwei­fache und das der regionalen Zentren auf das Dreifache gegenüber der Hauptstadt ge­stiegen. Jedoch wohnten 1970 noch immer 17 Prozent der Landesbevölkerung in Budapest. Die außerordentlich rasche Entwicklung der Hauptstadt und ihrer Umgebung ist neben den günstigen natürlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen zum großen Teil das Er­gebnis der Industrieentwicklung. Mit dem Ausbau eines modernen Industriezentrums ist zwangsläufig das Entstehen eines neuen Agglomerationsringes verbunden. (Zwischen 1949 und 1960 stieg die Einwohnerzahl Budapests jährlich um 1,5 Prozent, zwischen 1960 und 1970 um jährlich 1 Prozent. Die Bevölkerungszahl Budapests und seiner nächsten Umge­bung ist während dieser beiden Jahrzehnte von 1,8 auf nahezu 2,3 Millionen gestiegen.) Die Stadtverwaltung und die Landesregierung nahmen deshalb im Interesse der dringenden Entwicklung der Infrastruktur großzügige Bauvorhaben in Angriff. Wohnsiedlungen, Stadtzentren Die Lücken, die sich durch Kriegsschäden, die Liquidierung der unsozialen Wohnviertel des alten Systems und die unumgänglichen Sanierungen ergaben, konnte die Mitte der fünfziger Jahre begonnene Bautätigkeit nur sehr langsam schließen. Der Wohnungsbestand Budapests stieg von ungefähr 464 000 im Jahre 1949 auf mehr als 630 000 im Jahre 1970. Auch in den Randbezirken setzte ein Urbanisationsprozeß ein. Mehr als die Hälfte der im Bau befindlichen Häuser hat mehr als 4 Stockwerke, jedes zehnte mehr als 10 Stockwerke. Im Laufe der letzten 15 Jahre wurde die Mehrzahl der Wohnviertel eng mit der Innenstadt verbunden, denn in der Nähe der geschlossenen Wohnviertel boten sich billigere Bau­möglichkeiten. Der Wohnungsbestand Budapests stieg vor allem durch die Errichtung neuer Wohnsied­lungen. Ihre Anlage erforderte zahlreiche kommunale Investitionen. Abgesehen von den Preissteigerungen liegt deshalb die Summe der Investitionen je Wohnung höher als bei den vorher gebauten Wohnungen. Trotzdem ist die Schaffung neuer Stadtzentren als die beste Lösung anzusehen, denn einerseits wird die Lebensweise in den früher als Randgebiete be­trachteten Ortschaften modernisiert und andererseits das Stadtzentrum Budapests entlastet. Mit dem Ausbau Budas, das früher als das Wohnviertel der Vornehmen galt, können neue Wohnungen im Grünen errichtet werden. Das sich herausbildende neue Stadtbild zeigt die sozialen Veränderungen Ungarns. Es ist der Stolz der Budapester, daß an der Stelle des Maria-Valeria-Elendviertels heute das Neu­bauviertel „Attila József“ steht, wo mehr als 25 000 Personen wohnen. In den Armen­vierteln Óbudas, Angyalfölds und Újpests — heute III., XIII. und IV. Bezirk — wurden 14 000 moderne Wohnungen gebaut. Im alten Industrieviertel des XI. Bezirks verdoppelte sich im Laufe von 20 Jahren die Zahl der Wohnungen. Das noch 1949 als Kleinstadt gel­tende Rákospalota wurde durch das moderne Újpalota (XV. Bezirk) ausgebaut. In dem früher für seine Kellerwohnungen bekannten Óbuda, das in Budapest die höchste Säug­lingssterblichkeit aufwies, entstanden ein neuer Stadtteil und ein Kulturzentrum mit zahl­reichen Zeugnissen von historischem Wert. Von 1949 bis 1970 wurden in Budapest 17 neue Wohnviertel errichtet. Um das Tempo des Wohnungsbaus zu beschleunigen, bauen nicht nur der Staat, sondern 76

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