Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Von der Befreiung des Landes bis zur Schaffung Groß-Budapests (1945-1950)
faschistischen Elementen war vom Mord auf offener Straße bis zur illegalen Verschwörung jedes Mittel recht, um die Macht des Volkes anzugreifen. Um die Jahreswende 1946/47 waren diese Anschläge jedoch bereits zum Scheitern verurteilt. Der Erfolg der Stabilisierung ermöglichte die Wende zum Sozialismus. Der III. Parteitag der Kommunistischen Partei Ungarns im Herbst 1946 formulierte diese Wendung eindeutig und brachte sie auch in seinen Forderungen zum Ausdruck. Die Verwirklichung dieser Forderungen — so die staatliche Leitung von Produktion und Kredit, die staatliche Kontrolle der Banken und des Außenhandels, die Durchführung der Verstaatlichungsprogramme der demokratischen Parteien, die Einführung der Planwirtschaft — lösten einen scharfen politischen Kampf aus, der schließlich mit der Niederlage der rechten Kräfte endete. In der Hauptstadt bedeutete das den Ausschluß der rechten Elemente aus dem Munizipalausschuß, die Bildung einer neuen Kommission für Kommunalpolitik und die Wahl eines neuen Bürgermeisters. Im Sommer 1947 wurde József Bognár, der dem linken Flügel der Partei der Kleinen Landwirte angehörte, zum Bürgermeister gewählt. Seine Wahl fiel mit dem Beginn des Dreijahrplans zusammen, dessen Ziele der wirtschaftliche Wiederaufbau und die Hebung des Lebensstandards der Werktätigen waren. Der Dreijahrplan der Hauptstadt verfolgte in sehr bescheidenem Rahmen ähnliche Ziele. In der stark zerstörten Stadt mußte noch vieles wiederaufgebaut werden. Die kommunale Versorgung der schnell anwachsenden Bevölkerung, die Verbesserung der Transportmittel bildeten weiterhin den Schwerpunkt. Das Jahr der Wende in Budapest Den Parlamentswahlen im Herbst 1947, an denen zehn Parteien teilnahmen, waren scharfe politische Kämpfe vorausgegangen. Die Parteien der Unabhängigkeitsfront traten im Wahlbündnis den Kampf gegen die Parteien der Rechten an. Die Wahl endete mit dem Sieg der demokratischen Kräfte. Die Kommunistische Partei Ungarns, die größte Partei des Landes und der Hauptstadt, wurde zur ersten Partei des neuen Parlaments. Die Zahl der Wähler der sozialdemokratischen Partei ging zurück, die Unabhängige Partei der Kleinen Landwirte hatte schwere Verluste erlitten, die Nationale Bauernpartei konnte Stimmengewinne verzeichnen. Die vier Koalitionsparteien erhielten 60,8 Prozent aller Stimmen. Für die Parteien der Opposition stimmten mit Unterstützung des Großkapitals und der reaktionären klerikalen Kräfte ungefähr 30 Prozent, die übrigen Stimmen entfielen auf mehrere kleine Parteien. Die früheren bürgerlichen Parteien, die Radikalen und die bürgerlichen Demokraten, spielten eine ganz unbedeutende Rolle. Nach den Wahlen kam es innerhalb der Koalition zu einer Umgruppierung der Kräfte. Die Rechte erlitt sowohl in der Regierung als auch in der Stadtverordnetenversammlung eine neuerliche Niederlage, in der Koalition vollzog sich ein Umschwung nach links. Der Winter 1947/48 brachte eine beschleunigte Entwicklung der volksdemokratischen Ordnung, die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien wurde aktuell. Die Wahlniederlage verschärfte die Gegensätze in der sozialdemokratischen Partei. Sie mußte sich entscheiden, ob sie den Kampf für die Planwirtschaft, für die Verstaatlichung der Banken und für den Sieg des Sozialismus fortsetzen wollte. Schließlich siegten die linken Kräfte, wobei der Budapester Leitung der sozialdemokratischen Partei eine bedeutende Rolle zukam. 69