Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Von der Befreiung des Landes bis zur Schaffung Groß-Budapests (1945-1950)

Wasser, elektrischem Strom und Gas zu versorgen und den öffentlichen Verkehr auf­rechtzuerhalten. Die Unzufriedenheit, die sich zum großen Teil infolge der katastrophalen Wirtschafts­lage im Herbst 1945 bemerkbar gemacht hatte, steigerte sich noch im Laufe des Winters. Sowohl in Budapest als auch in der Provinz kam es zu Demonstrationen. In Budapest verlangte man die Verbesserung der Wirtschaftslage und die Entlassung der reaktionären Verwaltungsangestellten. In den Monaten Februar und März brachte die Budapester Arbeiterschaft ihre Mißstimmung in Streiks und Demonstrationen zum Ausdruck. Die Forderungen des am 5. März 1946 gebildeten Blocks der Linken, dem die Kommunistische Partei Ungarns, die Sozialdemokratische Partei Ungarns, die Nationale Bauernpartei und der Landesrat der Gewerkschaften angehörten, gaben den Anstoß zu einem Demokratisie­rungsprozeß in der Partei der Kleinen Landwirte. Im Verlauf dieses Prozesses wurden Mitglieder der Partei der Kleinen Landwirte ausgeschlossen bzw. aus dem Parlament und aus dem Munizipalausschuß entfernt. Nach dem Programm des Blocks der Linken wurde auch der Verwaltungsapparat reduziert und gesäubert. Da sich jedoch die Stadtverwaltung damals noch in den Händen der Partei der Kleinen Landwirte befand, stieß diese Aktion auf zahlreiche Hindernisse und verlief mit geringem Erfolg. Die rechten Kräfte der Partei der Kleinen Landwirte, gestützt auf einige Funktionäre der sozialdemokratischen Partei, konnten die Zahl der vorgesehenen Entlassungen beträchtlich senken. Sie beriefen sich auf die Notwendigkeit, Kräfte mit entsprechenden Fachkenntnissen im Dienst zu lassen. Diese politischen Kämpfe wurden während einer Inflation ausgetragen, wie sie die un­garische Geschichte noch nicht gekannt hatte. Vom Mai 1946 bis zur Stabilisierung hatten die Entbehrungen der Werktätigen die äußerste Grenze erreicht. Die Rationen, die im Markensystem zur Verteilung gelangten, mußten im Laufe des Winters mehrmals gesenkt werden, und bis zum Frühjahr 1946 waren praktisch alle Warenvorräte aufgebraucht. Die behördliche Versorgung konnte nicht mehr als gesichert gelten.Der Wiederaufbau ging langsamer voran, Spekulation und Schwarzhandel blühten. Am 1. August 1946 konnte die Volksdemokratie eine ihrer bisher bedeutsamsten Errungenschaften erzielen, die Einführung der stabilen Währung, des Forint. Die Stabilisierung ermöglichte auch der Stadtverwaltung den Entwurf ihres ersten gesicherten Haushaltsplanes. Die Stabilisierung brachte eine sprunghafte Verbesserung in der Lage der Budapester Werktätigen, löste aber nicht alle Schwierigkeiten. Gegen Ende des Jahres 1946 produzier­ten zwar die meisten der Budapester Industriebetriebe wieder, die Zahl derer, die ihre Tätig­keit noch nicht aufgenommen hatten, war minimal, doch die durchschnittliche Arbeiter­zahl lag im Vergleich zum Jahre 1938 um 20 Prozent niedriger. In Budapest gab es deshalb noch eine ganze Anzahl Arbeitslose. Die Löhne der Werktätigen betrugen nur ungefähr 50 Prozent im Vergleich zu 1938. Die Einwohnerzahl der Hauptstadt stieg immer rascher an, im Sommer 1946 wurde die Millionengrenze überschritten. Die Instandsetzung der Wohnungen hielt mit der Bevölkerungszunahme nicht Schritt. Bis dahin waren noch nicht einmal sämtliche Dachreparaturen beendet worden. Zwar setzte die Stadtverwaltung gleich nach der Stabilisierung den bereits begonnenen Kleinwohnungsbau fort, sie konnte jedoch keine durchschlagenden Erfolge erzielen, da das auf Spekulation orientierte Privatkapital das Wohnungsressort beherrschte. Die Bourgeoisie, die an Boden verlor, bemühte sich auch auf anderen Gebieten, die neue Währung, den Forint, zu schädigen. Sie verursachte Teuerungen und Lebensmittelmangel. Die öffentliche Sicherheit verringerte sich. Den 68

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