Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Budapests Weg zur Großstadt (1849-1919)
1869 auf 930000 Einwohner im Jahre 1913. Dadurch errang Budapest den achten Platz unter den Großstädten Europas. Mit der Bevölkerung in seinem Vorstadtgürtel überschritt es bereits die Millionengrenze. Während zweier Generationen wurden fast 1,5 Millionen Menschen zu Stadtbewohnern mit allen Begleiterscheinungen in der Lebensweise, im gesellschaftlichen Bewußtsein und in der politischen Haltung. Die aus den Dörfern einwandernden Massen verwandelten sich in Budapest zu Lohnarbeitern und aus selbständigen Lebensmittelproduzenten zu ausschließlichen Lebensmittelverbrauchern und Wohnungsmietern. Gleichzeitig begann innerhalb von ein bis zwei Generationen eine schnelle Magyarisierung der zum großen Teil nichtungarischen Einwanderer. Durch diese Prozesse wurde neuen gesellschaftlichen Konflikten und der Entfremdung der aus ihrem Milieu herausgerissenen Menschen Vorschub geleistet. Obgleich der Bevölkerungszuwachs nicht in jeder Beziehung mit der wirtschaftlichen Entwicklung übereinstimmte, schritt der auch weiterhin vom Hauptstädtischen Rat für Öffentliche Arbeiten koordinierte und teilweise sogar unmittelbar geleitete Stadtbau voran. Die Zahl der Häuser wuchs von 1870 bis 1910 von 9351 auf 18 035, die Zahl der Stockwerke von 12 427 auf 35 826, d. h. auf fast das Dreifache. Der Anteil der Gebäude mit drei und mehr Stockwerken stieg von 2,1 Prozent auf 18,07 Prozent. Dem Geschmack der Zeit entsprechend wurden die Anfang der siebziger Jahre geplanten breiten Hauptstraßen und Plätze im eklektischen, historisierenden und seit der Jahrhundertwende im Jugendstil angelegt. Ganze Stadtviertel verschwanden spurlos, und ihr Straßennetz wurde von der Stadtplanung abgeschafft. In der alten Innenstadt z. B. wurde um die Jahrhundertwende die Stadtverwaltung aus dem alten abbruchreifen Rathaus in das vom Magistrat erworbene ehemalige Invalidenpalais verlegt. Vornehme Bürgerhäuser und repräsentative öffentliche Gebäude wurden errichtet, und in den erst jetzt zum Bau freigegebenen Außenbezirken der Stadt entstanden in den engen Seitenstraßen — zwecks maximaler Ausnutzung des mit Versorgungsanlagen versehenen Gebiets — die Wohnquartiere der armen Leute: die Mietskasernen. Doch selbst dem im großen und ganzen unangetasteten historischen Burgviertel von Buda haben das neobarocke Königsschloß, der neogotische Ausbau der Matthiaskirche und die im neoromanischen Stil erbaute Fischerbastei sowie einzelne neue Regierungsgebäude neue bauliche Akzente verliehen. Die zur Tausendjahrfeier der Landnahme (896) organisierte Ausstellung, die Erweiterung des Zoologischen Gartens und der Ausbau der Museen verschönerten auch das Stadtwäldchen. Zur Verbesserung des Innenstadtverkehrs entstanden zwischen 1876 und 1912 drei Donaubrücken. Von diesen war die Elisabethbrücke (1903) lange Zeit Europas größte Hängebrücke mit einem durchlaufenden Fachwerkträger. Bis 1912 erreichte das seit 1889 schrittweise elektrifizierte Verkehrsnetz (hierzu gehören auch die in die Vorstadtzonen führenden Bahnen) eine Schienenstrecke von 153 km und beförderte jährlich 157 Millionen Fahrgäste. Im Jahre 1896 erhielt Budapest die erste Untergrundbahn auf dem Kontinent. Die Pferdeomnibusse wurden 1912 nur noch von 13 Millionen Fahrgästen benutzt. Während des ersten Weltkrieges erschienen in den Straßen von Budapest auch Autobusse. Stark entwickelten sich die zu Beginn des Jahrhunderts in Gemeindebesitz überführten öffentlichen Einrichtungen: 1910 hatte die Stadt ein Netz von 601 km Gashauptleitungen, und der jährliche Gasverbrauch erreichte 63 Millionen Kubikmeter. Die Länge des elektrischen Kabelnetzes betrug im Jahre 1910 505 km, infolge der ständigen Erweiterung der städtischen Wasserwerke flössen 1910 bereits 73 Millionen Kubikmeter Wasser durch das 44