Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie

191 veränderte die menschliche Kommunikation langsam, aber in immer rascherem Rhythmus. Wir wissen nicht, wie sich die Menschen mit dem Gebrauch des Telefons angefreundet haben, aber wahrscheinlich trifft auch für dieses technisches Gerät die Beobachtung zu, je jünger jemand ist, wenn er sich mit einer Neuerung vertraut macht, desto eher kann er es in seinen Alltag integrieren. Andererseits gab und gibt es immer Menschen, für die das Interesse an Neuheiten ein Charakterzug ist. Wir haben auch darüber keine Informationen, wann die Telefonbenützer allgemein zur Erkenntnis gekommen sind, dass die Telefonverbindungen dann wirkungsvoll sind, wenn sie durch regelmäßige persönliche Begegnungen verstärkt werden, und dass die wirklich wichtigen Dinge unverändert persönlich erörtert werden müssen. Die Abonnementlisten sind praktisch die einzige Quelle, mit deren Analyse wir über die Anfangsjahre der Telefonbenützung Informationen erhalten können. Ich wertete zwei Namenlisten aus (die Stände von 1. Februar 1882 und 1. Dezember 1883.).' Die Telefonabonnementliste von 1882 enthält 239, und die von 1883 407 Namen. In 22 Monaten stieg die Anzahl der Abonnenten um 58 %. Bereits in dieser kurzen Periode kann die Erweiterung der gesellschaftlich­beruflichen Struktur der Telefonabonnenten nachgewiesen werden. 1882 kam die größte Gruppe (33 Abonnenten = 15 %) innerhalb der Abonnenten aus dem Umfeld des Komhandels (Mühlen, Getreidehändler, Kommissionäre). 1883 vergrößert sich zwar die Anzahl der Abonnenten, die mit dem Naturalienhandel in Verbindung gebracht werden können, auf 50, ihr Anteil innerhalb aller Abonnenten vermindert sich aber einigermaßen - all dies zeigt bereits diesen langen Prozess der Erweiterung der gesellschaftlichen Basis der Abonnenten. 1883 sind etwa 12 % der Abonnenten am hauptstädtischen Komhandel (Mühlen, Händler usw.) beteiligt. 1882 sind die am Geldumlauf (Versicherungsanstalten, Banken, Bankiers) und am Verkehr (Unternehmer, Spediteure) Beteiligten stark (10 und 8 %) unter den Abonnenten vertreten. 1883 vergrößert sich der Anteil der Abonnenten, die mit dem Verkehr in Verbindung gebracht werden können von 8 % auf 11 %. Ein ähnlicher Prozess spielt sich auf dem Gebiet der Maschinenproduktion ab: Die Gruppe der Abonnenten, die mit dieser Branche in Verbindung gebracht werden können, vergrößert sich von 4 % auf 7 %. 1883 gibt es gegenüber dem vorigen Jahr bereits einen Arzt unter den Abonnenten, und sogar einige öffentliche Einrichtungen (Feuerwehr, Spitäler, das Bürgermeisteramt) Budapests verfügen über ein Telefon. Wegen ihrer Möglichkeit, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, bilden innerhalb der Telefonabonnenten die Vertreter der Presse (Tagesblätter, Herausgeber, Redakteure, Zeitungsbesitzer) eine wichtige Gruppe: Ihr Anteil unter den Abonnenten beträgt 1882 8 % und 1883 nur noch 6 %. Das Telefon ist ein Arbeitsinstrument: Das Ungarische Telegrammbüro und der Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse (Zsigmond Singer) haben ein Telefon. Einige 1 1 Die Abonnementlisten werden vom Postmuseum verwahrt.

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