Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie
192 Zeitungsbesitzer und Redakteure, die nicht nur ihr Vermögen, sondern auch ihren politischen Einfluss vergrößern wollen, sind gleichfalls Telefonbesitzer (z. B. József Csukássy, Redakteur der Budapester Zeitung, Zsigmond Bródy, einer der reichsten Virilisten der Stadt, Pressemagnat der Zeit, Besitzer des Neuen Pester Journals, Miksa Falk, Abgeordneter des Parlaments, Redakteur der Pester Lloyd, Mitglied der Akademie, oder z. B. der Vertreter der Unabhängigkeitspartei, Lajos Csávolszky, Herr über ein großes Vermögen, Besitzer der Tageszeitung Einheit, die über die größte Auflagenhöhe verfügt). Zum politischen öffentlichen Leben gehörte das Telefon viel weniger als zu den einflussreichen Redakteuren und Besitzern der Tagesblätter. Von den Parteien ist allein die Regierungspartei Telefonabonnent. 1882 sind die Wohnung des Haushofmeisters des Repräsentantenhauses (László Kovách) und das Repräsentantenhaus mit je einem Gerät ausgestattet. Die Ministerien werden schrittweise an das Telefonnetz angeschlossen, 1882 können nur drei, 1884 schon vier Ministerien angerufen werden.1 1901 zögert man noch, ob das Telefon des Ministerpräsidenten an das Femnetz angeschlossen werden sollte oder nicht. Letztendlich weist die Namensliste der Telefonabonnenten auch daraufhin, dass die Besitzer das in einem engen Kreis ausgebaute Telefonnetz nur beschränkt benutzten. Der Drang für die Ausnutzung der wirtschaftlichen Vorteile des Telefons ist dagegen fühlbar. 1883 gibt es schon Handwerksmeister (der Schlosser Ferenc Svadló und der Fotograf Ferenc Kozmata), die sich eine Ausweitung ihres Kundenkreises vom Telefon erhofften. Der Kreis der Abonnenten ist bedeutend, die zwischen Wohnung, Büro und ihren verschiedenen Produktionseinheiten (Fabriken, Lagern, Stapeln) eine Telefonverbindung hersteilen. Während die Depeschen eher die Dauer des Geschäftsgangs verminderten, machte das Telefon als Kommunikationsinstrument die Einführung arbeitsorganisatorischer oder steuernder Innovationen möglich. Auf jeden Fall wird das Telefon das Instrument, dessen ständige Nutzung eine kontinuierliche Kommunikation sichert. Das Telefon sichert die Verbindung zwischen Büros und Fabriken, das Telefon überbringt die Nachrichten. Das Telefon (wie auch die Schreibmaschine) erleichterte auch die Arbeit der Regierangsämter fühlbar. Nicht die Verwaltung wurde dadurch schneller, sondern der Informationsaustausch. Über den Telefonverkehr zwischen den Spitzenbeamten und den Ministern haben wir schon aus verhältnismäßig früher Zeit Informationen. Im Gegensatz zur Schreibmaschine, deren Anwendung sich langsamer verbreitete (am Anfang des 20. Jahrhunderts sind noch nicht alle 1 1 Kálmán Mikszáth berichtet am 7. März 1886 in der Pester Zeitung über die Sitzung des Parlaments vom Vortag, die wegen des Fehlens eines Dokumentes für kurze Zeit unterbrochen wurde. Die sofortige Übermittlung dieses Dokumentes aus dem Gemeindearbeits- und Verkehrsministerium wurde telefonisch veranlasst.