Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie

190 Gespräche pro Tag pro Hauptanschluss befindet sich die Hauptstadt 1898 im Spitzenfeld der ungarischen Städte, obwohl in Temesvár und Arad (12 Gespräche/Tag/Haupanschluss) bedeutend mehr Gespräche abgewickelt wurden als in Budapest, Szabadka oder Nagyvárad (7 Gespräche/Tag/Hauptanschluss). Für die Befriedigung des „in Handels- und insbesondere in Börsenkreisen alten Wunsches“ kommt 1890 die Telefonverbindung zwischen den beiden Hauptstädten der Monarchie, zwischen Budapest und Wien, zustande. Zu dieser Zeit kann man in Wien über eine öffentliche Femsprechstation telefonieren. Diese interurbane Verbindung zwischen Budapest und Wien hatte 35 Abonnenten. Die hauptstädtischen Telefonabonnenten konnten ab 1893 die Kaiserstadt direkt anrufen. Von 1893 an wurde Budapest auch mit immer mehr ungarischen Städten verbunden. Im Jahr 1897 wurde die längste Telefonleitung Europas zwischen Budapest und Berlin in Betrieb genommen. Bis zum Jahre 1913 wurde die Telefonverbindung zwischen Budapest und den Städten der Umgebung (Dunapentele, Vác, Erzsébetfalva, Kispest, Gödöllő, Dunakeszi und Alag) in mehreren Stufen ausgebaut. Die Einwohner der Hauptstadt telefonierten 1898 genau so viel interurban wie die Bevölkerung aller anderen ungarischen Städte zusammen. 1898 wurden 21 % (19.358 Gespräche) der Ferngespräche von Budapest nach Wien von den Pester Börsen (Getreide- und Aktienbörse) aus abgewickelt (aber 64 % der dringenden Gespräche wurden von den Börsen aus angeregt). 47 % der dringenden Anrufe und 32 % der normalen Anrufe (19.058 Gespräche) aus Wien gingen an die Pester Börsen. Die wichtigste Funktion der interurbanen Telefonverbindung lag also im Dienst der Börsentätigkeit - der Fernanruf war nicht Teil des privaten Lebens. Eine Erscheinung der Gespräche zwischen Budapest und Wien war, dass aus der ungarischen Hauptstadt mehr Gespräche angeführt wurden als aus Wien. Budapest ruft die Kaiserstadt an. 1902 war das erste Jahr, in dem von den hauptstädtischen interurbanen Telefonen mehr Gespräche mit ungarischen Städten geführt wurden als mit Wien. Allerdings war das Ausmaß des ungarischen interurbanen Netzes viel kleiner als der Telefonverkehr innerhalb Telefonverkehr innerhalb Budapest. Im 1913 wurden in Budapest 400.000 inländische Ferngespräche weitergeleitet - dies machte aber kaum ein halbes Prozent der Verbindungen innerhalb der Stadt aus. Der Unterschied zwischen den örtlichen Gesprächen und dem inländischen Fernverkehr mit 26 ungarischen Städten war hier am deutlichsten.1 In Budapest machte die Zahl der inländischen Ferngespräche kaum 0,4 % der Ortsgespräche aus. Was bedeutete das Telefon im Alltag? Die wirkliche Bedeutung des Telefons lag darin, dass es einen Einbruch in die Welt der Schriftlichkeit bewirkte. Mit seiner Verfügbarkeit stand der Mensch jetzt in ständiger, kommunikativer Verbindung mit seiner engeren oder weiteren Umgebung: Das Telefon 1 In den Verkehrsproportionen der zwei Netze sind die Werte von Klausenburg, Lugosch, Ödenburg und Pressburg mit den Werten Budapests vergleichbar.

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