Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie

189 Das Telefon Obwohl die Bedeutung des Telefons in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts einsetzt, seinen Durchbruch in der Kommunikation erfuhr es - im Zusammenhang mit der Zunahme der Teilnehmer und mit der Sicherung der Qualität der Fernfunkübertragungen - in seiner Gesamtheit erst im 20. Jahrhundert. Vor 1910 konnte das Telefon für Fernkommunikation noch kaum genutzt werden. Nur mit der Verbesserung der Stimmenverstärkungstechnologie wurde es möglich, dass die Beteiligten einander ohne Probleme verstehen konnten. Trotz dieser Schwierigkeiten wurden interurbane Verbindungen in Ungarn bereits in den frühen Jahren ausgebaut und benutzt. Das erste ungarische Telefonnetz1 wurde in Budapest 1881 in Betrieb genommen und gestattete ausschließlich Gespräche in der Stadt. 1883 wurden die Vorteile der damals schon eine große Tradition aufweisenden Telegrafie (ausgebautes, landesweites Netz) mit den Vorteilen des Telefons verbunden (Benützung vor Ort). Als Ergebnis der Verbindung der beiden Kommunikationssysteme konnten die Teilnehmer von nun an ihre Depeschen per Telefon aufgeben und erhalten. 1890 z. B. wurden 10.000, 1891 schon 20.000 Depeschen von den Bewohnern der Flauptstadt telefonisch aufgegeben. In dieser frühen Zeit der Telefonbenutzung gab es noch keine Rufnummern (bis zum Sommer 1901), die Telefonisten verbanden mit der gerufenen Partei über N amensnennung. An das 1887 verstaatlichte Budapester Telefonnetz schlossen sich in den ersten 14 Jahren seines Daseins kaum 4.000 Teilnehmer an. (Für die Ausweitung des Kreises der Telefonbenützer war es von Bedeutung, dass von 1884 an auch öffentliche Femgesprächsstationen in der Stadt bestanden.) Die Zahl der Abonnenten überstieg erst 1899 5.000. Eine dynamischere Ausweitung des Netzes erfolgte erst im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, in enger Abhängigkeit von der Kapazität des hauptstädtischen Femsprechzentrums, bzw. vom Ausbau des interurbanen Netzes. Bis zur Jahrhundertwende ist die Hauptstadt im Hinblick auf die Zahl der Telefonierenden pro 100.000 Bewohnern noch im Spitzenfeld, tritt aber nicht mehr sehr hervor.1 2 Die Stellung Arads (922 Telefonstationen/100.000 Bewohner) ist kaum schlechter als die Budapests (930 Telefonstationen/100.000 Bewohner), und die Angaben aus den vier Städten Raab, Marosvásárhely, Temesvár und Kolozsvár sind noch günstiger. Diesen Rückstand holte die Hauptstadt bis zum Jahre 1913 deutlich auf. Im Hinblick auf die Anzahl der 1 Das Telefonnetz wurde 1877 in Boston, 1879 in London, in Manchester und in Liverpool in Betrieb genommen. In Wien wurde es gleichfalls 1881 eröffnet. 2 In der ersten Hälfte der 1890er Jahre tauchen die Telefone in Ungam auch in den kleineren Siedlungen auf. Örtliche Telefonnetze werden für die Koordinierung der Verwaltung einiger Industrieanlagen aufgebaut, aber z.B. auch im Interesse des Hochwasserschutzes.

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