Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie

186 Depeschen weitergeleitet wurden.1 Die Anzahl der hier aufgegebenen und eingelaufenen Privatdepeschen betrug 278.000. Die Position Pests als Haupthandelszentrum innerhalb Ungarns und seine gegenüber anderen Städten herausragende wirtschaftliche Bedeutung zeigen sich auch darin, dass der Verkehr an Privatdepeschen der anderen Städte die Werte Pests nicht annähernd erreichen konnte. (Verglichen mit Pest betrug der Wert in Temesvár 17 %, in Győr 12 %, in Arad 10 %, in Szeged, Nagykanizsa und in Pressburg nur 9 %) Das Amt, das die meisten staatlichen Depeschen verwaltete, war jenes von Ofen (5.200). Vor 1880 waren in der Hauptstadt mehr Depeschen angekommen als aufgegeben worden waren. Dieser Trend änderte sich ab 1880, damals kamen ungefähr gleich viele Depeschen an wie abgeschickt wurden. Der Unterschied zwischen aufgegebenen und angekommenen Depeschen vergrößerte sich zugunsten der ersteren ab 1884 stark. Von dieser Zeit an sind die Geschäftskreise Budapests die innovativen Gruppen, die hier versendete Information weitete sich aus. All dies zeigt die weitere Verstärkung der wirtschaftlichen Kraft der Hauptstadt und sogar die Vergrößerung ihres über die Staatsgrenze hinauswachsenden Einflusses. Die Daten des ausländischen Telegrammverkehrs des Budapester zentralen Telegrafenamts kennen wir aus dem Jahre 1889.2 63 % des ausländischen Depeschenverkehrs kam aus Österreich oder war dorthin gerichtet. Die Hauptstadt hatte außer Österreich noch einen bedeutenden — obwohl in seinem Ausmaß doch nicht vergleichbaren - Depeschenverkehr mit Deutschland (16 %). 5 % des Depeschenverkehrs betrafen Frankreich, 4 % Serbien und 3 % Großbritannien. Der Anteil der anderen Länder war verschwindend gering. Bei der Ausnützung der Möglichkeiten kann zwischen bestimmten gesellschaftlichen Gruppen Homogenität beobachtet werden. Die Depesche ist mit der Geschäftswelt, mit dem Nachrichten verkehr' und der Staatsverwaltung eng verbunden. Wie überall, gab es auch in Pest Menschen, die von der neuen Geschäftsmöglichkeit und von der Hoffnung auf daraus zu erzielenden Profit fasziniert wurden. Im Jahr 1855 zum Beispiel, nach einem großen Hagel in Pest, wurden zum raschen Ersatz der zerbrochenen Fensterscheiben - mit Depesche - Glastafeln aus Wien bestellt. Im selben Jahr wurden in Pest in einem einzigen Gebäude (zwischen Geschäftsraum und Laboratorium einer Apotheke mit der 1 Hivatalos statisztikai közlemények [Offizielle statistische Mitteilungen], 1. évfolyam.[Jahrgang], Pest 1868. : Péter Heim, Buda-Pest postaintézményei [Die Postinstitutionen Buda-Pests], 1881. 1 Die Geschäftsmöglichkeiten der Nachrichtenübertragung führten auch zum Auftreten der Nachrichtenagenturen. Die einheimischen Tageszeitungen konnten einen Teil ihrer Informationen von der Budapester Filiale des Wiener K. K. Correspondenz Bureau, dem Pannonien Telegramminstitut, dem Ungarischen Depeschenbüro (von 1881 an) usw. beschaffen. Außerdem war es auch eine bestehende Praxis, dass die Nachrichten der ausländischen Zeitungen in die betreffende Redaktion als Privatdepesche gelangten.

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