Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Zsuzsa Frisnyák: Die Telegrafie

185 Zsuzsa Frisnyák Die Telegrafie Ermöglichten im 19. Jahrhundert die raumüberwindenden Techniken mit Hilfe der Dampfkraft erstmals intensive und schnelle menschliche Kontakte, die früher undenkbar waren, nahm auch die Bedeutung der indirekten Kommunikationsmittel, die über den Hör- und Sehbereich hinausgingen (Brief, Depesche, Telefon), rasch zu. Von diesen Medien hatte allein der Briefverkehr eine jahrhundertealte Tradition und ein festgeformtes Ablaufsystem. Die technische Entwicklung des 19. Jahrhunderts erschuf nun die Möglichkeiten des Depeschenwechsels und des Fernsprechverkehrs. Diese beiden Femmelde­­instrumente waren nicht mehr an den Verkehr gebunden: Seit dieser Zeit sichern elektrische Systeme den Informationsaustausch. Der Depeschenwechsel Der Ausbau des Telegrafenamtsnetzes für das gesamte Gebiet der Habsburgermonarchie wurde 1849 vom Herrscher angeordnet. Der Ausbau des ungarischen Netzes nahm erst ab 1853 einen Aufschwung; in diesem Jahr wurden mehr als 900 Kilometer Leitungen gelegt. Von dieser Zeit an vergrößerte sich das ungarische Netz in gleichmäßiger Weise, bis zu Anfang 1867 erreichte es 8.155 Kilometer. Die erste Telegrafenstation wurde in Pest 1850, in Ofen 1853 eröffnet. Diese letztere vermittelte Privatdepeschen jedoch erst ab 1857. Die ersten bekannten Datenangaben über die Tätigkeit der Telegrafenämter der ungarischen Städte stammen von 1867 (Mai-Dezember).1 Die bevölke­rungsreichste Stadt Ungarns wickelte auch den größten Depeschenverkehr ab. 1867 steht Pest an der Spitze der Telegrafenämter, wo mehr als 5.000 1 Die ersten Daten, die ausschließlich den Post- und Femmeldeverkehr Budapests betreffen, wurden relativ spät, 1894, veröffentlicht. Vgl. Das statistische Jahrbuch der Haupt- und Residenzstadt Budapest, hrsg. Gusztáv Thirring, 1894. Im Jahrbuch gehen die Daten bezüglich des Depeschenverkehrs bis zum Jahre 1875 zurück. - Über den Depeschenverkehr Pests in den Jännermonaten der Jahre zwischen 1861 und 1866 informiert Sándor RÁCZ (Budapests Telegraph und Femsprechersache 1889, Klausenburg 1890). Die Daten: im Januar 1861 442, im Januar 1862 334, im Januar 1863 442, im Januar 1864 740, im Januar 1865 922, im Januar 1865 1.284 Depeschen.

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