Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest
166 einer Disposition entsprechend der technologischen Kette Bahn - Kohlenlager - Kessel - Reiniger - Speicher. In der ersten Phase wurde von den geplanten zwei Kesselhäusern zwei Drittel des ersten, die zwei Reinigerhäuser und einer der drei Gasbehälter gebaut, in romantisierendem „Fabrikstil“ mit Backsteinverkleidung. Zum kompletten Ausbau kam es in zwei weiteren Phasen, am Ende der 1880er und zu Beginn der 1990er Jahre. Während der letzten Phase wurde der Komplex um eine Ammoniakfabrik erweitert. Die Gesellschaft sorgte auch im Hinblick auf das Areal für die Möglichkeit einer Erweiterung, was zu dieser Zeit von allen ihren Fabriken nur hier möglich war. 1893 regten sie die Ausdehnung in östlicher Richtung an, als Folge dessen das Gebiet 1896 auf mehr als das Doppelte vergrößert wurde. Der dritte Gasbehälter, der vom Verbauungsplan des ursprünglichen Geländes noch nicht verwirklicht worden war, wurde hier, auf dem Areal des so genannten II. Werkes 1896 gebaut. Dieser unterschied sich von den damaligen nicht nur aufgrund seiner größeren Maße, sondern auch deswegen, da es der erste unter allen Fabriken der Gesellschaft war, der nicht mit Backsteinzaun und historisierenden Verzierungen, sondern ohne diese, aus Eisen, mit einem Fachwerkgestell, erbaut wurde. Der Planer dieses modernen, dem 20. Jahrhundert entsprechenden Bauwerks, István Pucher, war es auch, der in den folgenden Jahren auf dem neuen Grandstück die eigenständige zweite Fabrik der Franzstadt (die den gesamten Produktionsablauf umfasste) baute. Deren Betriebsgebäude wurden in dem für die Fabriksarchitektur charakteristischen Stil, aber in einer Bauart mit eigenen Merkmalen ausgeführt. Der Komplex wurde 1906 mit den ebenfalls von Pucher geplanten Wasser-Gaswerkgebäuden ergänzt. In der Zwischenzeit, lange vor seinem Ablauf, wurde 1891 der mit der Gesellschaft geschlossene Vertrag neu diskutiert und in dem so genannten Annex noch einmal die Konzession der Österreich-Ungarischen Gasbeleuchtungs-Gesellschaft bis zum Jahre 1910 verlängert. Sein wichtigstes Element war, dass die Gesellschaft auf ihr Vorrecht, die nicht mit Gas betriebene Beleuchtung der Hauptstadt betreffend, verzichtete, was die rechtliche Voraussetzung für die Einführung der elektrischen Beleuchtung in Budapest war. Der Beginn der Stromversorgung Die Ganz und Partner AG. in Budapest experimentierte 1878 als erste mit elektrischer Beleuchtung, und zwar in der Weise, dass sie ihre eigene Eisengießerei mit Lichtbogenlampen beleuchtete; in den folgenden Jahren stattete sie auch einige andere Gebäuden aus. Die elektrische Beleuchtung des Nationaltheaters 1882 und des Ostbahnhofes 1884 erweckte monarchieweit Aufsehen. An eine Straßenbeleuchtung konnte aber erst nach Abschluss des Vertragsannexes mit der Gasuntemehmung gedacht werden.