Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest

165 wurde die Verbauung des originalen Fabrikgrundstückes zum größten Teil beendet, später kam es hier nur noch zu kleineren Erweiterungen (z. B. durch Aufstockungen). Die Gesellschaft sorgte schon früher für die Möglichkeit zusätzlicher Erweiterungen. 1869 erwarb sie den ganzen Grundstücksblock südlich der Fabrik, so wurde die ganze Ostseite der Ujvásártér (aus dem Areal des Pferdemarkts entstanden, heute Köztársaságplatz ) ihr Eigentum. Dessen Verbauung begann 1872: mit Beamtenwohnhäusem an der Seite des Platzes und mit einem neuen Kesselhaus in der Mitte des Blocks. In der zweiten Phase der Verbauung, 1874-1875, wurde der Block mit Arbeiterwohnhäusem umgebaut, und dann, 1875-77, der letzte und größte Gasometer der Fabrik errichtet. All diese Umbauten und Erweiterungen wurden von József Diescher, Felix Buzzi und Napoleon Kéler (die ähnlich wie Ágoston Pollack zu den führenden Pester Baumeistern der Zeit gehörten) durchgeführt, die kleineren Bauarbeiten, zu denen es um die Jahrhundertwende kam, von István Pucher. Das Fabriksgelände war vielleicht die bedeutendste Anlage der heimischen Gasindustrie im 19. Jahrhundert und dabei auch ein wichtiges Werk der ungarischen Industriearchitektur. Im Hinblick auf die Eisenkonstruktion sind das frühe Polonceau-Dachgespärre des ersten Kesselhauses mit relativ großer Spannweite und die Teleskopkonstruktion der größeren Gasbehälter erwähnenswert. Die architektonische Erscheinung war einheitlich: die roman­tische Fabriksarchitektur, charakteristisch für die Mitte des Jahrhunderts, war nicht nur für die frühe Bauphasen typisch, sondern auch noch für die Jahrhundertwende, und man passte sich sogar am Ende der 1930er Jahren daran an. Man sorgte auch dafür, dass die Wohn- und Bürogebäude, die in Richtung des Stadtzentrums lagen, nicht wie Industriegebäude wirkten, sondern sich dem Wohnviertelcharakter der Gegend anpassten. Die dritte Fabrik der Gesellschaft wurde 1872, außerhalb des damaligen Gebietes der Partnerstädte, aber innerhalb der heutigen Stadt Budapest, in Újpest (Neu-Pest) erbaut. 1881 lief der Vertrag, den die Gesellschaft anfangs mit der Stadt Pest abgeschlossen hatte, ab. Obwohl der Bedarf dafür, dass die Gemeinde das Gas, das zur Straßenbeleuchtung benötigt wurde, in einer eigenen Fabrik herstellt, schon in den 1870er Jahren gegeben war und auch ernsthafte Studien über die Möglichkeit der Verwirklichung durchgeführt wurden, scheute die General­versammlung vor den bevorstehenden Schwierigkeiten, den Kosten und dem Risiko zurück und wählte lieber den Abschluss eines weiteren Vertrages, der auch für die Ofener Seite galt, aber nur auf 14 Jahre abgeschlossen wurde. Das Werk in Josefstadt konnte die Ansprüche, die bis zu den 1880er Jahren bedeutend gewachsen waren, trotz der Erweiterungen nicht befriedigen, deshalb wurde die Errichtung eines neuen Hilfswerks nötig. Dieses wurde 1884 im südlichen Teil Pests, in der Franzstadt (Ferencváros), in der Nähe der Donau, der Verbindungsbahn und der Fabriksgelände gebaut. Die Pläne wurden vom damaligen Architekten der Gesellschaft, Napoleon Kéler, unter Berück­sichtigung des Aspekts einer stufenweisen Ausbaufähigkeit ausgefertigt, mit

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