Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen
153 Die Verwirklichung Die Stadtverordnetenversammlung entschied am 13. Mai 1891 über die Einführung des Markthallensystems, über den Bau einer zentralen sowie von sieben Detailmarkthallen. Davon wurden die fünf Pester Hallen gleichzeitig fertig, eine in jedem der an die Innenstadt grenzenden Bezirke. In der Innenstadt selbst wurden keine Markthallen gebaut (obwohl es später mehrmals diskutiert wurde), weil das zentrale Gebiet des Stadtteiles vor der Regulierung stand; daher konnte nicht einmal der genaue Standort bestimmt werden, außerdem lag die zentrale Markthalle ohnehin in der Nähe des südlichen Bereichs des Bezirks, auf der anderen Seite des Kleinrings, der die Grenze bildete. Eine der beiden in dem Programm vorgesehenen Hallen in Ofen wäre im Stadtteil Tabán gelegen gewesen, gegenüber der Innenstadt, wo nur ein Jahrzehnt später der Ofener Brückenkopf der Elisabethbrücke gebaut wurde. Hier wurde die Lösung der Frage ebenfalls wegen der auf Grund der Regulierung bestehenden Ungewissheit hinauszögert. Obwohl später einige andere Teile des I. Bezirkes vorgeschlagen wurden (Burg, Kristinastadt), wurden in diesem - von Hügeln geprägten - Teil Ofens letztendlich doch keine Markthallen gebaut. Bis zur Verwirklichung der zweiten Markthalle, die im II. Bezirk errichtet werden sollte, vergingen mehr als zehn Jahre. Für den Entwurf der zentralen Markthalle wurde 1892 ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Die Ausschreibung sah ein einheitliches Hauptgebäude und kein Pavillonsystem vor. Zwei der drei preisgekrönten Preisschriften basiertem auf demselben deutschen Vorbild, der Halle von Leipzig. Die dritte kam aus Frankreich, sie war von Escande und Gourmez entworfen worden. Ihre fünfschiffige Halle hatte auch ein der Höhe des Hauptschiffes entsprechendes Querschiff, und an den zwei Enden des Hauptschiffes stand je ein pavillonähnlicher Block. Dazu dachte man an ein separates Verwaltungsgebäude. Die beste ungarische Preisschrift stammte von Samu Peez, einem Professor der Technischen Universität. Die Besonderheit seines Entwurfs bestand darin, dass die Seitenschiffe zum Hauptschiff nicht parallel, sondern senkrecht angeordnet waren. Die Halle hatte eine Eisenkonstruktion, wobei der Hauptfrontflügel (der die Verwaltungsräume enthält) eine mittelalterliche Bauform zeigte. Nach langem Hin und Her bekam Peez den Auftrag, und auf der Grundlage seiner modifizierten Pläne wurde die zentrale Halle zwischen 1894 und 1897 gebaut. Die zentrale Halle, die primär dem Großhandel diente, war zugleich auch die größte Halle für den Detailverkauf. Die Budapester Detailhallen wurden für 200-400 Verkaufsplätze bemessen. Es wurden für sie keine Wettbewerbe ausgeschrieben, man wollte die Pläne vom Hauptstädtischen Bauamt entwerfen lassen. Nach Beginn der Planungsarbeit stellte es sich heraus, dass das Amt die gleichzeitige Planung und Bauleitung von vier Bezirkshallen selbst mit erhöhtem Personalstand nicht alleine erfüllen konnte, deshalb kam es zur Einbeziehung eines Privatarchitekten. Man