Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen

154 beauftragte Győző Czigler, der sich bereits früher mit der Thema beschäftigt hatte. Der Bau der vier Hallen lief in den Jahren 1894-1896 parallel, im Wesentlichen auch gleichzeitig mit der Errichtung der zentralen Halle. Die fünf Gebäude wurden gleichzeitig, am 15. Februar 1897, eröffnet. Dies war eine der größten Investitionen und Bauprojekte der Hauptstadt in diesem Jahrzehnt. Die Zentralmarkthalle Das 150 Meter lange, basilikal vorragende Hauptschiff nimmt das mittlere Drittel des 60 Meter breiten Gebäudes ein. Auf seinen beiden Seiten gibt es sechs fast genau so breite, diagonale Seitenschiffe. Zwischen den Seitenschiffen fügte der Planer niedrigere Raumpartien ein und versorgte so alle Schiffe mit dem gleichen Seitenlicht von oben. Wegen des örtlichen Klimas waren Glasdächer unerwünscht war. Gitterstützen halten die Dachkonstruktion, die Gittersparren sind im Hauptschiff wie in den Seitenschiffen bogenförmig gestaltet, deshalb konnten sie in der Mitte mit kleinerem Kreuzriss berechnet werden, was den Effekt von Leichtigkeit ergab. Die Sparren, die das wärmeisolierende Doppeldach halten, sind vergittert, wie in allen Hallen von Budapest. Entlang aller Seitenwände führt eine Galerie, der auch den Raum des Hauptschiffes an mehreren Stellen wie eine Brücke durchquert. Mehrere Hundert Verkaufsplätze wurden hier eingerichtet, blieben allerdings ungenützt, da weder die Verkäufer noch die Kunden hinaufklettem wollten. In der zentralen Halle hat man für spezielle Probleme mehrere interessante Teillösungen verwendet. Zwischen den umhegenden Straßen bestand ein Niveauunterschied von zwei Metem, außerdem wollte man vermeiden, im Erdgeschoss Treppen einzubauen. Diese Schwierigkeit wurde so behoben, dass die Bodenebene nicht überall waagerecht eingerichtet wurde und es leicht abfallende Abschnitte gibt. Ursprünglich führte auch eine Flügelbahnlinie in das Gebäude, und der untere Ladedamm der Donau war durch einen Tunnel mit dem Keller verbunden. Die Belüftung des Kellers wurde so gelöst, dass man den Dunstabzug im Inneren der großen Gitterstütze über Dach leitete. Der Luftwechsel erfolgt durch den Firstlüfter des Hauptschiffs. In der Mitte der Hauptfront präsentiert sich das Hauptschiff mit einem dreifachen Spitzbogenfenster in einem Mittelrisalit, die zugewandten Verwaltungsflügel werden an den Endpunkten mit turmartigen Risaliten mit hohen Dächern abgeschlossen. Die diagonalen Seitenschiffe enden in Giebelwänden. Mit ihren Dreierfenstem geben sie der Seitenfront einen Rhythmus. Das Gebäude der Geflügelhalle schließt an die hintere Seite der zentrale Halle an. Jede Front weist eine polychrome Ziegelverkleidung auf, die an den betonten Punkten mit Stein- und Keramikelementen verziert ist. Die hohen Dächer sind mit farbigen Dachziegeln gedeckt.

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