Molnár Antal: Egy raguzai kereskedőtársaság a hódolt Budán - Források Budapest közép- és kora újkori történetéhez 2. (Budapest, 2009)

A Bona–Bucchia Társaság története - A társaság budai működése és felszámolása

112 kethüda und seine Aufgaben teilte er mit einem zweiten Defterdár, wahrscheinlich mit dem defter kethüdasi. Offensichtlich gehörte zu diesem Amt auch der ruznameci, der das Kassenbuch führte.158 Im Zuge der Abwicklung des Nachlasses von Bucchia tref­fen wir auf niederrangige Beamte der Finanzverwaltung, auf Emine stoßen wir in er­ster Linie in den Reihen der Schuldner. Als Ausnahme können wir allerdings den Emin von Gran erwähnen, der gegen die jüdischen Schuldner Zeugnis ablegte, sowie den Emin von Keve, der Zamagna ins Gefängnis werfen ließ. Die Geschichte der Nachlassliquidation stellt im Grunde einen kontinuierlichen Schenkungs- und Bestechungsprozess dar. Die Verfahrensschritte und die schwereren Konflikte sind uns aus der Abrechnung der Ausgaben, die zur Gewinnung der osmani- schen Beamten gemacht wurden, bekannt. Die Schenkung - mit unseren heutigen Be­griffen ausgedrückt, die Korruption - bildete einen organischen Teil des osmanischen Behördensystems. Die Zeitgenossen, die die Verhältnisse kannten, bewerteten sie nicht als Anomalie, sondern als Grundelement der Funktionsfähigkeit des Systems. Die Gesandten und Kaufleute aus Ragusa waren seit Jahrhunderten mit dieser Struktur vertraut. Die Frage, wem für was wie viel gegeben werden muss, bereitete ihnen über­haupt keine Schwierigkeiten.159 Zamagna bekam von den Erbschaftsverwaltern auch auf diesem Gebiet freie Hand. Hinsichtlich der Summen, die für das Verfahren sowie für Geschenke ausgegeben wurden, kam es auch später zu keinen Einwänden. Die in Ofen lebenden Kaufleute aus Ragusa schuldeten es dem Beglerbeg und dem Wojwoden, diesen bei ihrem Amtsantritt als Kollektiv ein Geschenk zu überrei­chen. Zu dieser Schenkung trug auch Zamagna immer bei. Bei dieser Gelegenheit war es auch zweckmäßig, gute Kontakte zum bisherigen Pascha zu pflegen, denn dieser sollte bei seinem Nachfolger ein gutes Wort für die betreffenden Personen einlegen. Die Gesandten oder Beauftragten waren verpflichtet, die höheren Würdenträger der Provinz, nämlich den Pascha, den Kadi und den Defterdár, bei ihrem ersten Treffen zu beschenken. Beim sogenannten Zuckerfest (§eker bajrami) taten sie den ihnen gegen­über loyalen osmanischen Beamten und Soldaten mit Süßigkeiten und Früchten einen Gefallen. Wirklich hohe Ausgaben bedeuteten aber nicht diese Gelegenheiten, son­dern die Bestechungsmittel, die zum Zwecke der Erledigung konkreter Angelegenhei­ten in der Praxis unverzichtbar waren. Aus dem Rechnungsbuch geht eindeutig hervor: Jeglicher Kontakt zu den Osmanen ging auch mit der Übergabe eines Geschenkes ein­her. Am häufigsten erfolgte die Beschenkung aus folgenden Gründen: vorteilhafte Entscheidungen bei Streitfragen, günstige Zeugenaussagen und Urteile bei Prozessen, 158 Im Amt des Defterdars von Ofen arbeiteten zweifellos noch mehr Beamte. Siehe hierzu das erwähnte Beispiel von Diyarbekir: GöYÜNC: [wie Anm. 157.], S. 118-120. 159 Miovic, Vesna: Dubrovacka diplomacija u Istambulu [Ragusanische Diplomatie in Istanbul] (= HAZU Zavod za povijesne znanosti u Dubrovniku. Posebna izdanja. Serija: Monografije, 24). Zagreb/Dubrovnik 2003, S. 51-66; Sundrica, Zdravko: O darovima u dubrovaökoj diplomaciji [Über die Geschenke in der ragusanischen Diplomatie]. In: Ders.: Tajna kutija dubrovackog arhiva [Die Geheimlade des Archivs von Ragusa], Bd. 1 (= HAZU Zavod za povijesne znanosti u Dubrovniku. Posebna izdanja. Serija: Monografije, 28/1). Zagreb/Dubrovnik 2008, S. 133-144.

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