Szita László (szerk.): Tanulmányok a török hódoltság és a felszabadító háborúk történetéből. A szigetvári történész konferencia előadásai a város és vár felszabadításának 300. évfordulóján, 1989 (Pécs, 1993)

I. Tanulmányok a török alóli felszabadító háború kérdéseiről - LUDWIG HÜTTL: Die Türkenkriege aus der Sicht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

sondere unter Ludwig XIV. die Hegemonie in Europa anstrebte, stand der habs­burgische Kaiser wiederholt in Gefahr, in einen Zweifrontenkrieg sowohl mit Frankreich wie auf ungarischem Reichsboden mit den Osmanen verwickelt zu werden. Die militärische Kraftentfaltung Habsburgs wurde mehrfach durch diese Sorge vor einem möglichen Zweifrontenkrieg behindert; die militärischen Kräfte mußten wiederholt auf mehrere Kriegsschauplätze verteilt werden. 8 Sowohl Eng­land wie Holland, jene jahrzehntelangen Verbündeten des Kaiserhofs, drängten ihrerseits den Kaiser dazu, den Krieg mit Frankreich zuerst zu entscheiden und dann erst die ungarische Frage zu lösen. Wie die Protokolle der kaiserlichen Be­rater zeigen, war man sich auch am Wiener Hof wiederholt uneins, welcher machtpolitischen Auseinandersetzung Priorität einzuräumen sei. Was die Auseinandersetzung mit den Osmanen betrifft, so kam zu den macht­politischen Problemen auch die ideologische Auseinandersetzung mit dem osma­nischen Reich hinzu. Im Zeitalter der konfessionellen Spannungen im 16. und 17. Jahrhundert wurde der Konflikt mit dem osmanischen Reich durch die Zu­gehörigkeit der osmanischen Oberschicht und auch verschiedener Volksgruppen des osmanischem Vielvölkerstaates zum Islam noch verschärft. Der Kampf gegen die Osmanen wurde stets als Religionskrieg verstanden, der sogar die konfessio­nellen Spannungen innerhalb des Deutschen Reiches zumindest zeitweise in den Hintergrund treten ließ. So schickten auch protestantische Fürsten wie der Kur­fürst von Brandenburg, 10 der Kurfürst von Sachsen, 11 der Markgraf von Bay­reuth 12 zeitweise einen Teil ihrer Truppen nach Ungarn, um die kaiserlichen Bemühungen zur Rückeroberung dieses Königreichs zu unterstützen. Es bedurfte jedoch allerdings in der Regel eines großen diplomatischen Einsatzes von sei ten des Wiener Hofes, um die Reichsfürsten von der Notwendigkeit zu überzeugen, die kaiserlichen Unternehmungen in Ungarn zu fördern, 13 argumentierten doch deren Gegner, Ungarn liege außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Rei­ches Deutscher Nation und die habsburgischen Konflikte mit den Osmanen seien eine Angelegenheit des ungarischen Königs, nicht aber des Reiches. Eine Macht­verstärkung des Kaisers durch Erfolge in Ungarn hatte wiederum Rückwirkungen auf dessen Stellung im Reich. Ein schwacher Kaiser war etlichen Reichsfürsten, vom französischen König Ludwig XIV ganz zu schweigen, allemal lieber als ein Herrscher, dessen Haupt der Siegeslorbeer zierte. Nicht zuletzt argumentierte man von protestantischer Seite, daß eine Unterstützung des Kaisers in Ungarn diesen in die Lage versetze, die dort lebenden Protestanten zu unterdrücken; die grundsätzlich gegenreformatorische Gesinnung des Kaiserhauses war zu gut be­kannt. Vor allem die mächtigeren Reichsfürsten, gleich welcher Konfession, hat-

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