Prag – Wien – Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 – Katalog zur Ausstellung
PRAG - WIEN - PRESSBURG IN DER DIPLOMATIE 1920-2005
Auch die zu Beginn der sechziger Jahre begonnene neue österreichische „Ostpolitik“ wurde auf tragische Weise durch die Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968 unterbrochen, und erst 1975 wurden die Vertretungen auf Botschaftsebene angehoben. Wenn wir heute feststellen, dass unsere Beziehungen noch nie so gut waren wie derzeit, so ist das auch das Ergebnis der langjährigen Arbeit aller Akteure aus unseren Außenministerien, unter ihnen der spätere österreichische Bundespräsident und ehemalige Gesandte in Prag, Dr. Rudolf Kirchschläger, der vielen Tschechen und Slowaken 1968 auf bis heute unvergessene Weise half. Die „samtene Revolution“ in Prag und Pressburg machte 1989 einen Neubeginn der bilateralen Beziehungen möglich. Ein völlig neues Kapitel der Beziehungen wurde nun aufgeschlagen. Mit ihren respektiven EU-Beitritten in den Jahren 1995 und 2004 sind Österreich, die Tschechische Republik und die Slowakische Republik heute Teil einer Zukunftsgemeinschaft, die es ihnen ermöglicht, das gewachsene Potenzial und die Logik der räumlichen Nähe erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder im vollen Umfang zu nützen. Diese Entwicklung hat auch uns die Chance eröffnet, die Trennlinien und Entzweiungen der Geschichte im Dialog miteinander zu überwinden, ein neues Kapitel in unseren Beziehungen aufzuschlagen, das Verhältnis zueinander auf eine neue Basis zu stellen und unsere Zusammenarbeit in den europäischen Institutionen immer weiter zu vertiefen. Die Regionale Partnerschaft, an der neben unseren drei Staaten auch Polen, Slowenien und Ungarn mitwirken, bietet uns dabei ein besonders wertvolles Forum für die Abstimmung unserer Interessen. Unsere Volkswirtschaften sind schließlich heute so stark verflochten wie noch nie in den vergangenen 80 Jahren und, was vielleicht am wichtigsten ist, die Menschen finden immer mehr und öfter zueinander. In diesem Sinne ist diese Ausstellung auch ein Spiegel eines erfreulichen Aufeinander Zugehens. Ich danke daher den Organisatoren und wünsche den Besuchern einen interessanten Gang durch die abwechslungsreiche Geschichte im Dreieck Prag-Wien-Pressburg. Dr. Ursula Plassnik Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten 4