Prag – Wien – Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 – Katalog zur Ausstellung

PRAG - WIEN - PRESSBURG IN DER DIPLOMATIE 1920-2005

PRAG - WIEN - PRESSBURG IN DER DIPLOMATIE 1920-2005 Die Geschichte der diplomatischen Beziehungen im Dreieck der Hauptstädte Prag, Wien und Pressburg spiegelt die spannende, wechselvolle und oft leidvolle Geschichte Mitteleuropas im vergangenen Jahrhundert wieder. Sie zeigt aber auch das sich wandelnde Selbstverständnis von Staatenvertretern und Nationen und ihr Verhältnis zur eigenen Geschichte und Geografie auf. Die vom österreichischen Staatsarchiv in Zusammenarbeit mit den drei Außenministerien gestaltete Ausstellung Prag - Wien - Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 findet im österreichischen Gedankenjahr 2005 statt. Ein Jahr, in dem Österreich nicht nur über die eigene Geschichte, sondern auch über das Verhältnis zu seinen Nachbarn gemäß dem Motto „Vergangenheit verstehen, um Gegenwart und Zukunft zu gestalten“ nachdenkt. Der Zusammenbruch der für uns auch heute noch kulturhistorisch prägenden Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkriegs erbrachte eine für Tschechen, Österreicher und Slowaken zwar unterschiedliche, aber durchwegs schwierige Ausgangstage: Offene Grenz- und Minderheitenfragen, die Zersplitterung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes, die Bildung neuer Allianzen und eine unsichere Zukunft bestimmten das Geschehen. Ob man nun als Sieger oder Besiegter aus dem Krieg hervorging - die Last der Vergangenheit, derer man sich entledigt glaubte, blieb nach dem Ersten Weltkrieg genauso bestehen wie lange noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit ein zwar ambivalentes, aber in vielerlei Hinsicht konstruktives Beziehungsgeflecht: Auch die Tschechoslowakei unterstützte die für Österreichs Währungssanierung so wichtige Genfer Völkerbundanleihe 1922, die wiederhergestellte Vernetzung der Industriegebiete der Tschechoslowakei und Österreichs erleichterte die schwierige Wirtschaftslage, und die bedrohlichen Entwicklungen in Deutschland erbrachten trotz Restaurationsängsten eine gewisse außenpolitische Annäherung. Dass der tschechoslowakische Ministerpräsident Milan Hodza über eine „Federation in Central Europe“ nachdachte, wie sein während des Zweiten Weltkriegs im Londoner Exil verfasstes Werk hieß, war ein Zeichen für den auch heute noch gültigen geo- und kulturpolitischen Imperativ der Zusammenarbeit in Mitteleuropa. Das Jahr 1938 stellte für die zweifellos bestehenden Annäherungstendenzen eine tragische Zäsur dar, die die mitteleuropäische Zusammenarbeit für lange Zeit im Keim erstickte. Die österreichische Provisorische Regierung unter Karl Renner versuchte sofort nach der Unabhängigkeitserklärung vom 27. April 1945, an die Idee einer engen Zusammenarbeit in Mitteleuropa anzuknüpfen. In ihrer ersten Regierungserklärung bekannte sie: „Der Freistaat Österreich will in ungetrübter Freundschaft mit den Völkern des Donauraumes sich selbst leben und mit sämtlichen Nachbarn in Friede und Freundschaft Zusammenarbeiten zum Besten aller.“ Diese optimistische Erklärung der Regierung Renner erwies sich jedoch angesichts der weltpolitischen Entwicklungen mit der Trennung Europas in zwei ideologisch getrennte Blöcke als Wunschdenken. Die Durchsicht der diplomatischen Berichte aus der Nachkriegszeit gibt einen Einblick über die Schwierigkeiten, mit denen die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und der Tschechoslowakei zu kämpfen hatten. 3

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