Prag – Wien – Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 – Katalog zur Ausstellung
PRAG - WIEN - PRESSBURG IN DER DIPLOMATIE 1920-2005
Und es war erst der Fall des Eisernen Vorhanges, der unser erneutes Zusammentreffen unter einem europäischen Dach ermöglichte, in einem in der Welt integrierten Europa, das uns allen die Chance bot, ein neues, etwas in Vergessenheit geratenes „Miteinander“ zu leben. Denn Tschechien und Österreich sind nicht nur zwei Länder im Herzen Europas. Sie sind von einer gemeinsamen Geschichte geprägt - und von gemeinsamen Interessen. Diese kann man nicht einfach durch „geographische Nähe“ erklären, oder die Tatsache, dass es von Wien nach Brünn wesentlich näher ist, als nach Graz oder Linz. Beide Länder sind geprägt von einem ähnlichen Lebensstil, einer sich nahen Kultur, Mentalität, Gepflogenheit und Tradition. Auch dies ist ein Grund dafür, warum ich jenes symbolhafte, „kramarsche Rückenkehren“ von St. Germaine-en-Laye heute lediglich als historische Anomalie erachte. Dies umso mehr, da sich doch schon damals immer deutlicher zeigen sollte, dass die gemeinsame Geschichte der Tschechen und Österreicher nicht mit dem Jahr 1918 endete. Lediglich ihr Kontext wurde geändert. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, deren 85. Jubiläum wir feiern, wurde zu einem unerlässlichen Bestandteil. Erlauben Sie mir, dass ich in diesem Zusammenhang allen Verantwortlichen dieser Ausstellung, sowie dieses Kataloges, meinen Dank ausspreche - für die ganz besondere Gelegenheit, der neuzeitlichen Peripetie in den Beziehungen zwischen unseren Völkern zu gedenken. Ich bin ebenso davon überzeugt, diese Ausstellung in absehbarer Zeit auch in Prag besuchen zu können. 6