Prag – Wien – Pressburg in der Diplomatie 1920-2005 – Katalog zur Ausstellung

PRAG - WIEN - PRESSBURG IN DER DIPLOMATIE 1920-2005

DAS VORWORT VOM AUßENMINISTER DER SLOWAKISCHEN REPUBLIK EDUARD KUKÁN FÜR DEN KATALOG DER AUSSTELLUNG „PRAG - WIEN - BRATISLAVA IN DER DIPLOMATIE 1920 - 2005“ Die Geschichte der Beziehungen zwischen unseren drei Völkern reicht weit in die Tiefe der Jahrhunderte zurück. Der slowakische zeitgenössische Historiker Dusán Kovac schrieb, dass Österreicher und Slowaken schon Nachbarn waren, als die Österreicher noch nicht Österreicher und die Slowaken noch nicht Slowaken waren. Das gilt selbstverständlich auch für die Slowaken und die Tschechen. Das Erkennen aller Aspekte der Vergangenheit unseres Zusammenlebens in Mitteleuropa ist zweifellos eine verdienstvolle und nützliche Arbeit, deren Hauptlast von den Historikern zu tragen ist, deren Früchte jedoch der breiten Öffentlichkeit unserer Länder zugute kommt. Sie helfen uns, die Vergangenheit mit all ihren Peripetien nicht nur kennen zu lernen, sondern sie dienen auch der Vertiefung unserer Zusammenarbeit in Gegenwart und Zukunft. Die Geschichte der slowakisch-österreichischen diplomatischen Beziehungen ist noch verhältnismäßig kurz. Im Jahre 1920 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Österreich aufgenommen, und seit 1993 ist Bratislava als Hauptstadt der selbständigen Slowakischen Republik auch Sitz einer tschechischen und einer österreichischen Botschaft. Die zugänglich gemachten diplomatischen Dokumente legen ein ausdrucksvolles Zeugnis darüber ab, dass die vergangenen 85 Jahre nicht weniger bedeutend oder interessant waren als die Jahrhunderte davor. Sie bringen uns die Verbindungen zwischen unseren Ländern in all ihrer Vielfältigkeit und Kompliziertheit näher, nicht selten auch diejenigen Erscheinungen, deren Rückkehr sich niemand wünscht. Ich denke hierbei an die komplizierten Nachbarschaftsbeziehungen vor dem Zweiten Weltkrieg, als einige Flüchtlingswellen aus Österreich in die Tschechoslowakei hinführten, oder nach ihm, als wir durch den Eisernen Vorhang getrennt waren und Slowaken und Tschechen in Österreich vor dem Kommunismus Zuflucht suchten. Im Jahre 1990 begannen wir ein vollständig neues Kapitel der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen unseren Ländern zu schreiben, bedeutend bereichert durch die freien Kontakte der Bürger, Gemeinden, Städte, Regionen und Institutionen. Die zuverlässige Grundlage hierzu bilden die gemeinsam geachteten Werte der Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit. Die slowakische, österreichische und tschechische Diplomatie schaffen gemeinsam die unerlässlichen Voraussetzungen für die Entfaltung trilateraler Beziehungen unserer drei Länder, tragen jedoch auch aktiv zur Zusammenarbeit aller Staaten in der Region bei, sowohl im Rahmen der Mitteleuropäischen Initiative, als auch der Regionalen Partnerschaft. Qualitativ neue Möglichkeiten eröffneten sich uns nach dem 1. Mai 2004, als wir als Mitgliedsländer der Europäischen Union die Chance erhielten, die bilaterale und regionale Dimension der Diplomatie mit der gesamteuropäischen zu verbinden. Im Interesse unserer Bürger und Bürgerinnen, aller europäischen Länder und im Interesse eines vereinten Europas müssen wir sie nutzen. 7

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