Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915

LEBENSDATEN - LUDWIG SALVATORS WISSENSCHAFTLICHER WEG UND PERSÖNLICHKEIT

che Vorträge über die Plätze die sie berühren sollen hält“27. Der Erwerb von Kenntnissen und die Vermittlung von Wissen stehen für Ludwig Salvator stets im Vordergrund, sind aber auch eng mit Bewahrung und Erhaltung im umfassenden Wissensvermittlung und Sinn verbunden. Bewahrung „Wir leben in mitten einer Kulturepoche, die - wie keine je zuvor - zahl­lose Veränderungen in eilender Folge hervorruft....Kein Tag versinkt im Strome der Zeiten, der das Antlitz der Erde nicht verändert und dem Bilde der Menschheit nicht neue Züge einprägt! In dieser merkwürdigen Zeit bemerken wir aber auch das Hinsterben ganzer Rassen, sehen, wie sich tiefgehende Veränderungen im politischen und sozialen Gefüge der Menschheit vorbereiten, wie historische Staatengebilde wanken, wie alter­erbte Anschauungen, Sitten und Gebräuche dahinschwinden, wie die Lebensführung des Menschen allmählich eine andre wird und wie neue Bedürfnisse das geistige Leben und die wirtschaftlichen Verhälntnisse der Völker gleichwie der Einzelnen allenthalben beeinflussen....Ein über­aus verdienstliches Streben ist es daher, durch erschöpfende Monogra­phien die gesamten Verhältnisse einzelner Land- und Völkereinheiten in anschaulicher Weise festzuhalten, zu buchen und damit zu retten, was an altererebtem Besitz noch vorhanden ist.“, bemerkte Leo Woerl bereits vor 103 (!) Jahren in seinem „Lebensbild“ Ludwig Salvators als „Forscher des Mittelmeeres“28. Wie recht Woerl hatte, bewahrheitete sich schließlich unter anderem am traurigen Beispiel der griechischen Insel Zakynthos (Zante), die 1953 von einem Erdbeben erschüttert wurde. In dessen Folge brach nämlich in der Hauptstadt Chora ein Großbrand aus, dem mit dem Großteil der Bi­bliothek auch sämtliche Archive zum Opfer fielen. Ludwigs zweibändiges Werk Zante29 ist somit zu einem kulturellen Erbe Archivistik von unschätzbarem Wert geworden. Eine umfangreiche Urkundensammlung zu ihrer bewegten Geschichte verdankt in ähnlicher Weise auch die Insel Parga Ludwigs Bemühungen, kaum noch lesbare, vom Verfall durch „Bücherwürmer, Schim­mel und Staub“ bedrohte Dokumente durch Zusammenstellung Philologie und Abschrift zukünftigen Forschern zugänglich zu machen.30 Eine weitere, späte Bestätigung Woerls stellt der 1986 in den Studi Ladini erschienene Aufsatz von W. Theodor Eiwert dar. Eiwert bezeichnet darin nämlich Ludwig Salvator als „vergessenen Romanisten“ und hebt dessen große philologische Kompetenz und moderne linguistische Betrachtungs­weise, die auch die soziale Funktion von Sprachen miteinschließt, her­vor.31 Der Philologe in Ludwig Salvator, der sich erstmals in den Balearen in der Ausseinandersetzung mit den Mallorquinischen Dialekten sowie dem Einfluß und Gebrauch des Kastilischen zeigt, setzt sich über die Samm­lung der Märchen, Volkslieder und Sprichwörter Mallorcas bis hin zur Er­37

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