Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915

LEBENSDATEN - LUDWIG SALVATORS WISSENSCHAFTLICHER WEG UND PERSÖNLICHKEIT

ohne Abbildungen in seiner Aussage stets vage und unklar bleiben. Er hielt daher bildliche Darstellungen, die mit einem Blick mehr zu vermitteln vermögen als eine ganze Textseite, für unerläßlich. Eine Auffassung, die Ludwig Salvator ebenfalls teilte und auch in bezug auf seine eigenen land­schaftlichen Schilderung wiederholt zum Ausdruck bringt, wenn er auf die zeichnerische Wiedergabe als noch treffendere Ausdrucksform hinweist. Die allumfassende Ausrichtung dieses Symbolwerkes der Aufklärung, die außer Wissenschaft auch Kunst und Handwerk miteinschließt, spie­gelt sich in Ludwig Salvators Werk ebenso wider, wie auch die Entste­hung der aufklärerischen Enzyklopädie als kollektives Werk aus Gründen der Kompetenz und des Respektes vor Spezialistentum - wodurch letzt­endlich erst höchste Wissenschaftlichkeit garantiert wird - in Ludwigs Ar­beitsweise nachzuwirken scheint. Seine Tabulae sind ebenso auf kom­petente Mitarbeit ausgerichtet. So beschränkt er sich keineswegs nur auf eigene Beobachtungen und persönlichen Schilderungen, sondern stützt sich, abgesehen von bibliographischen Studien, sehr wohl auf systemati­sche Feld- und Archivforschungen, wozu er sich der Zusammenarbeit mit ortskundigen Spezialisten in Form von Wissenschaftlern und Gelehrten, aber auch schriftkundigen einheimischen Gewährsmännern, wie Geistli­che, Lehrer, Bibliothekare, Archivbeamte, Gemeindesekretäre oder lokal ansässige Informanten, wie Angehörige von Civil-und Militärbehörden oder Konsularbeamte bedient, die allesamt in der Schlußbemerkung der Tabulae Ludovicinanae ausdrücklich gebeten und darauf hingewiesen werden: „Alle die in diesen Tabellen enthaltenen Notizen werden in so detaillierten Angaben als möglich gewünscht. Je specieller auf Jahre, Monate und kleinere Kreise eingegangen wird, um so gesuchter sind sie.“ Seine vielseitigen und ausgezeichneten Sprachkenntnisse kamen Lud­wig ebenso wie sein schlichtes Auftreten, das ihn äußerlich kaum von einem einfachen Bauern oder Seemann unterschied, im Rahmen seiner Feldforschungen besonders im Umgang mit der einheimischen Bevölke­rung, zugute, die sich ihm dadurch in viel unmittelbarerer Weise eröffnete und ihm nicht nur bereitwilligst auf alle Fragen Auskunft gab, sondern auch als Modelle für zahlreiche Illustrationen diente. Es sei aber ange­merkt, daß Ludwig Salvator sein derartiges Auftreten nicht als Technik zum authentischen Informationsgewinn einsetzte, es entsprach vielmehr seiner Wesensart und Erziehung. Jeglichem höfischen Zeremoniell ab­hold, verglich er seine Herkunft gerne mit der Darstellung byzantinischer Heiligen, „die einst mit einer großen Aureole an die Wände der Kirchen gemalt wurden“, mit „jedem neuen Ausweißen“ jedoch etwas von ihrem Heiligenschein verloren, „bis schließlich gar nichts mehr davon übrig blieb und sie sich in nichts mehr von den übrigen Figuren an den Kirchen­wänden unterschieden.“19 33

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