Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

Österreicher. Viele deutsche Verbände erhielten gerade noch vor der 12. Isonzoschlacht neue leichte Maschinengewehre des Typs IMG 08/15,51 von denen jeweils sechs jeder Schützenkompanie zugeteilt wurden. Während 1914 ein deutsches Regiment mit drei Bataillonen nur über sechs Maschinengewehre (zwei pro Bataillon) verfugte, besaß 1917 bei Tóiméin die bataillonsstarke Abteilung Rommel des Württembergischen Gebirgs-Bataillons sechs schwere MG 08 und 18 leichte Maschinengewehre 08/15, gegenüber 1914 also mehr als die zehnfache Menge. Die österreichische Edelweiß-Division besaß am 15. Oktober 68 Maschinengewehre, die k. k. 22. Schützendivision 96 MG, die deutsche 12. Division hatte dagegen mit 270 MG in Vergleich zu einer österreichisch­ungarischen Division die fünffache Feuerkraft allein bei den Infanteriewaffen!52 Bespannte Feldartillerie konnte den Truppen wegen der italienischen Zerstörungsmaßnahmen nicht folgen. Feuerunterstützung erhielten auch die deutschen Verbände nur von der österreichischen Gebirgsartillerie, eine der wenigen Waffengattungen, in der die Habsburgermonarchie seit 1914 technisch und zahlenmäßig gegenüber allen anderen europäischen Mächten einen Vorsprung besaß.53 Am 30. Oktober, nachdem die Truppen den Durchbruch durchs Gebirge geschafft und die Masse der 14. Armee die friaulische Ebene erreicht hatten, befahl das Kommando der Südwestfront: „Offensive wird über den Tagliamento fortgesetzt“. Zum größten Hindernis wurde indessen ein einsetzender Dauerregen, der die normalerweise trocken liegenden Gebirgsbäche, die „Torrenten“, zu unüberschreitbaren Wildwasserflüssen anschwellen ließ. Der Hochwasser führende Isonzo hielt die 1. Isonzoarmee lange genug auf, um der unter Zurücklassung ihres gesamten Materials flüchtenden 3. italienischen Armee den Rückzug über den Tagliamento zu ermöglichen. Die 2. italienische Armee löste sich panikartig auf, und die Masse ihrer ungeordnet zurückflutenden Truppen geriet östlich des Tagliamento in Gefangenschaft. Beim Austritt in die Ebene kam es in der bisher vorzüglich nach Plan laufenden Offensive zu Schwierigkeiten. Die Truppen hielten sich beim Vormarsch vom Gebirge herab im Regen natürlich an die besseren Straßen, die zu den größeren Siedlungen führten, verließen damit ihre vorgeschriebenen Gefechtstreifen und gerieten durcheinander. Mit dem Erreichen des Tagliamento am 30. Oktober sah die Deutsche Oberste Heeresleitung außerdem die zugesagte Unterstützung für Österreich-Ungarn als erfüllt an, wollte ihre Divisionen sofort abziehen und erklärte sich erst nach entschiedenem Einspruch des Kommandos der Südwestfront Rommel: Infanterie greift an, S. 254. KA, NFA, AOK, Kriegsgliederungen, Karton 22. Heigl, Fritz: Gebirgsgeschütze. In: Militärwissenschaftliche und technische Mitteilungen 58 (1927), S. 558-576. 28

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