Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

bereit, weiter am Vormarsch teilzunehmen. Während bei den deutschen Verbänden die Kommandeure ihre Gefechtsstände laufend nach vorne verlegten,54 (dasselbe geschah beim k. u. k. I. Korps), blieben die Führungsstäbe der Südwestfront und der Isonzoarmee zu lange an ihren gewohnten Orten und waren bald nicht mehr in der Lage, die nach vorne stürmenden Truppen zu fuhren. Drahtverbindungen ließen sich nicht genügend rasch vorverlegen, Befehle kamen entweder nicht oder zu spät durch und gingen oft völlig an der Lage vorbei. Es kam deshalb zu „Reibereien“ mit Truppen der 14. Armee. Obwohl die 2. Isonzoarmee weit zurückhing, versuchte GO Boroevic, statt eines Schwenks nach Süden einen geradlinigen Vormarsch seiner Heeresgruppe durchzusetzen, was die 14. Armee, die der italienischen 2. Armee folgte, aus der Front gedrängt hätte. General Krauß schrieb später „Die oberste [österreichische] Führung beherrschte die Lage nicht“.55 Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass zu den „Reibereien“ beitrug, dass die österreichischen Divisionen nicht wie die deutschen über eine divisionseigene Femmeldetruppe mit „Großfunkengeräten“ verfügten.56 Der Hochwasser führende Tagliamento wurde in den ersten beiden Novembertagen von den Bosniaken der k. u. k. 55. Inf Div durch die Eroberung einer teilweise zerstörten Eisenbahnbrücke bei Comini (südwestlich Gemona) bezwungen. Die zurückgehenden italienischen Truppen wurden zwar auf der gesamten Front verfolgt, der Aufenthalt am Tagliamento hatte es aber der italienischen Heeresleitung ermöglicht, ihre Verbände einigermaßen zu ordnen und mit einem vier Brigaden starken Spezialkorps aus schnellen Truppen (Infanterie auf LKW, Radfahrer, Kavallerie) am Piave eine Auffangstellung zu beziehen. Am äußersten linken Flügel griff die k. u. k. Kriegsmarine erfolgreich in die Kämpfe ein. Nachdem ein Landungsunternehmen bei Grado statt auf italienischen Widerstand zu stoßen mit Musik empfangen worden war, gelang es den Schlachtschiffen Wien und Budapest begleitet von vierzehn Zerstörern und zwei Marine-Flugbootabteilungen, die italienischen Kriegsschiffe aus Venedig zu vertreiben.57 Der italienische Generalstabschef Cadoma wurde abgelöst und durch General Armando Diaz ersetzt. Um den 9. November erreichten Kärntner Gebirgsschützen den Piave. Obwohl einzelne Einheiten den Fluss überschritten, kam es zu einem bis heute umstrittenen 14 Tage langen Halt, der noch lange nach Kriegsende zu wilden Spekulationen Anlass gab. Die Gerüchte reichen von einem absichtlichen Anhalten der deutschen Verbände, um eine noch größere Niederlage Italiens, dessen Beim Vordringen auf Udine fiel GLt v. Berrer, der seiner Truppe weit vorausgefahren war. 55 Krauß: Das Wunder von Karfreit, S. 65. 56 Wegen der vielen Gewitter war es auch mit den Funkgeräten schwierig, Verbindung zu halten. 57 Falls: Caporetto 1917, S. 107. 29

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