Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917
Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung
zweieinhalb Tage und am Monte San Gabriele volle drei Tage lang. In keiner dieser Schlachten gelang den Angreifern ein Durchbruch. Der deutsche Artillerieoberst Georg Bruchmüller („Durchbruchmüller“) hatte daraus gefolgert, dass nicht die Dauer des Beschusses und die Gesamtzahl der verschossenen Granaten entscheidend war, sondern die möglichst hohe Intensität eines eher kurzen Feuerschlags mit der größtmöglichen Zahl von Geschützen knapp vor dem Infanterieangriff den Ausschlag gab. Das Verfahren wurde an der Ostfront (bei Riga) im Jahre 1917 erprobt und fand in der 12. Isonzoschlacht erstmals in großem Stil Anwendung.36 Im Angriffsraum standen der 14. Armee 1.678 Geschütze und 240 Minenwerfer zur Verfügung, wovon 460 schwere Geschütze und 216 Minenwerfer von Deutschland beigestellt wurden. Die gesamte Artillerie musste aus den Ausladeräumen in Kärnten (Villach, Tarvis, Klagenfurt), in Krain und der Steiermark (Laibach, Aßling) auf nur vier Aufmarschstraßen etwa 50 Kilometer weit über schwierige Gebirgspässe bei Regen und einsetzendem Schneetreiben in die Becken von Flitsch und Tóiméin gebracht werden. Die Verlegungsmärsche erfolgten bei Nacht nach einer von der 14. Armee genau ausgearbeiteten Marschtabelle37 mit penibel festgelegten Marschleistungen, Verpflegungs- und Biwakplätzen. Zum Transport wurden von Österreich 30.000 Artilleriezugpferde zugewiesen, deren Ernährungszustand allerdings sehr mangelhaft war. Die schweren Geschütze wären allerdings ohne die von Ferdinand Porsche entwickelten benzin-elektrischen Zugmaschinen der k. u. k. Armee nicht in ihre Feuerstellungen zu bringen gewesen. Für die gesamte Artillerie wurde ein vierfacher Tagesbedarf an Granaten vorgesehen, das waren 1.000 Schuss für jedes Feldgeschütz, 800 für jede 15 cm Haubitze und 200 für jeden 30,5 cm Mörser. Allein im Raum Tóiméin wurden 300 deutsche Batterien in Stellung gebracht, die an die 18.000 Tonnen Munition zugeschoben erhielten, eine für die an Munitionsmangel gewöhnten Österreicher unvorstellbare Menge, die auch einen vom Geschütztyp abhängigen Prozentsatz an Gasmunition enthielt. Österreich- Ungarn stellte insgesamt eine Million Schuss an Artilleriemunition bereit, davon 10 Prozent Gasmunition.38 Unglaublich viel für die Österreicher, zu wenig nach deutschen Begriffen. Diese Munitionsmengen in Stellung zu bringen, erforderte äußerste Anstrengungen. Es stellte sich als großer Fehler heraus, dass von 36 Wagner: Der Erste Weltkrieg, S. 249. 3' KA, NFA, Karton 60 KdSWT Op. 22.138 v. 30.9.1917. In Kr afft: Durchbruch am Isonzo II, finden sich mehrere Hinweise, dass Truppen der Isonzoarmeen durch Verstoß gegen die Marschtabellen immer wieder Unordnung herbeiführten. 38 Obwohl die Italiener bedenkenlos Gas einsetzten, besonders in der 11. Isonzoschlacht, allerdings das weniger wirksame Chlorpikrin, hatte Kaiser Karl mit Befehl vom 18. März 1917 ein Gasangriffsverbot für die österreichisch-ungarischen Truppen verhängt, dessen reale Wirksamkeit allerdings in Frage gestellt werden muss, weil Österreich über keine brauchbaren Kampfgase verfügte. Für die 12. Isonzoschlacht wurde dieses Gasangriffsverbot stillschweigend ignoriert, die Kampfgase kamen aus Deutschland. Vgl. dazu: Sc höckl: Isonzofront 1917, S. 322. 23