Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

österreichischer Seite versäumt worden war, von Deutschland auch Lastwagenkolonnen anzufordem. Die Deutschen hielten die vereinbarten Abmachungen peinlich genau ein, waren aber für nachträgliche Forderungen nicht zu haben.39 Über den zahlenmäßigen Umfang der deutschen Munitionsanlieferungen und dessen Anteil an Gasmunition gibt es keine genauen Unterlagen.40 Die Planung der Artillerievorbereitung lag in den Händen des Artillerieführers Generalmajor von Berendt, des Oberquartiermeisters Oberstleutnant Jochim und des Leiters für den Munitionsnachschub Major Selber. Der Gruppe Krauß wurde wochenlang ein deutscher Spezialist für Gasbeschuss für die Einschulung zur Verfügung gestellt. Es stellte sich auch als notwendig heraus, die österreichische Eisenbahntransportleitung, die noch nie solche Materialmengen in so kurzer Zeit zu bewältigen gehabt hatte, mit deutschen Lokomotiven und Leitungspersonal zu unterstützen. Insgesamt wurden in dreißig Tagen 2.400 Militärzüge mit 100.000 Waggons eingesetzt. Unter der von GdI Krauß konstatierten „Unordnung auf der Eisenbahn“ hatte aber weniger die deutsche 14. Armee, deren Eisenbahnaufmarsch um den 15. Oktober abgeschlossen war, sondern das später hinzugekommene k. u. k. I. Korps zu leiden, dessen Kommandant nicht nur eine krasse Fehlplanung des österreichischen Generalstabs in Baden, sondern auch bei der österreichisch­ungarischen Staatsbahn eine „fehlende Ordnung und Hingabe wegen der Feindseligkeit gewisser Nationalitäten gegen die Monarchie“41 beklagte. Das AOK in Baden hatte zuerst alle Militärzüge für die 14. Armee in den Raum Laibach/Aßling dirigiert, wo es zu enormen Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Entladung kam, um dann dieselben Probleme im Raum Klagenfurt/Villach zu erzeugen, als es um die Versorgung des I. Korps ging. Zeitweise stauten sich l. 000 nicht entladene Waggons in diesen Räumen.42 Beim I. Korps im Flitscher Becken waren daher am geplanten Angriffstag nicht alle zugewiesenen Batterien in Stellung und die angelieferte Munition nicht am Platz. Der Angriff musste um einen Tag verschoben werden, trotzdem konnte die Gruppe Krauß nicht alle ihre Geschütze und die gesamte Munition in die Feuerstellungen bringen.43 In Graz standen deutsche Militärzüge über 24 Stunden auf den Bahnhöfen herum, und die 39 Schöckl: Isonzofront 1917, S. 287. 40 Im Jahr 1917 betrug der Anteil der Gasmunition bei der deutschen Artillerie üblicherweise etwa ein Drittel der Gesamtmenge. 41 Krauß: Das Wunder von Karfreit, S. 18-20. Diese Mängel sind auch Ursache der einzigen Kritik von Krauß an der Darstellung der Isonzoschlacht in Krafft: Durchbruch am Isonzo I, weil Krafft die verzögerte Bereitstellung auf die österreichische „Gemütlichkeit“ zurückfiihrte, statt auf schwere Planungsfehler und Transportverzögerungen. 42 Schöckl: Isonzofront 1917, S. 281. 43 Die k. u. k. Angriffstruppe musste, statt sich für die kommende Schlacht zu schonen, nächtens Granaten tragen. 24

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